Die Vielfalt des Nenbutsu – 3. Nenbutsu-Treffen der Jodo-Buddhistischen Gemeinschaft
21. September 2026
Allgemein

Vom 13.-14. Juni 2026 traf sich die Jodo-Buddhistische Gemeinschaft zu ihren jährlichen Nenbutsu-Dojo in Bonn und online. Dieses Mal war Tsuchiya Masamichi, der Abt des Jodo-Shu-Tempels Kanchi-in in Tokyo, als Gastredner online zugeschaltet.
Thema des diesjährigen Treffens war „Im Licht des Amida Buddha“. Insbesondere ging es um die zwölf Lichtmanifestationen des Amida Buddha, die im Sotra des Unermesslichen Lebens (jap. Muryojukyo) von Shakyamuni Buddha aufgezählt werden. Sie stehen im Mittelpunkt der „Komyo“(„Lichtglanz“)-Lehre des japanischen Jodo-Shu-Priesters Yamazaki Bennei (1859-1920), die gegenwärtig in Japan unter anderem von der Shinsei-Gesellschaft (jap. Shinsei Domei) repräsentiert wird, deren Vorsitzender Tsuchiya Masamichi auch ist.
Die buddhistische Praxis der Shinsei-Gesellschaft besteht neben der einfachen Nenbutsu-Rezitation („Namu Amida Butsu“ – „Ich nehme Zuflucht zu Amida Buddha“) in der melodiösen Rezitation des von Yamazaki Bennei verfassten „Rahaigi“. Dabei handelt es sich um eine Art buddhistisches Stundenbuch, denn es gibt ein Morgen- und ein Abendritual. Das Morgenritual wurde beim Nenbutsu-Treffen jeweils am Samstag und Sonntag Vormittag von Tsuchiya Masamichi mit den Teilnehmern durchgeführt. Anschließend wurden die Inhalte erklärt und besprochen.
Yamazaki Benneis religiöse Philosophie vertieft und erweitert die ursprüngliche Nenbutsu-Lehre des Jodo-Shu-Gründers Honen Shonin (1133-1212) und passt sie an unsere moderne Zeit an. Durch die Nenbutsu-Rezitation entwickeln wir zunächst unseren Glauben an Amida Buddha, der alle drei Verkörperungen Buddhas – Dharmakaya, Nirmanakaya, Sambhogakaya – in sich vereinigt (jap. Sanshin Sokuitsu). Dies ist die Basis für die Herausbildung unserer unerschütterlichen inneren Ruhe. Die Zuwendung und Praxis der Zwölf Lichtmanifestationen schließlich führt uns im nächsten Schritt zu einer positiven, altruistisch motivierten Lebensweise mit dem Ziel der Erfüllung unserer Bodhisattva-Gelübde.
So können wir nach Yamazaki noch in diesem Leben eine spirituelle „Geburt ins Reine Land“ (jap. ojo) erlangen, die Erfüllung einer wahrhaftigen Lebensweise (jap. shinsei), auch wenn wir noch an die Einschränkungen und Leiden unseres Körpers gebunden sind.

Der zweite Teil des Nenbutsu-Treffens bestand aus der Praxis des „Großen Nenbutsu“ (jap. Dainenbutsu), das von dem Jodo-Shu-Priester Nakano Zen-ei (1899-1966) entwickelt wurde. Dabei werden Elemente der Zen-Meditation (Konzentrationsübung) und Atemübungen mit der Nenbutsu-Rezitation kombiniert. Der Aufbau einer Dainenbutsu-Übung folgt dem „jo-ha-kyu“-Prinzip, das auch die Grundlage der traditionellen japanischen Hofmusik (Gagaku) und der Gesänge des No-Theaters darstellt. Nach einer stillen Meditation und inneren Sammlung beginnt man in sehr langsamen Tempo („jo“) mit der Rezitation, die rhythmisch die ganze Zeit vom Schlagen des mokugyo („Holzfischs“) begleitet wird. Es folgt der schnelle, dynamische Hauptteil („ha“), der durch einen abrupten Schluss beendet wird („kyu“). Dabei rezitiert man in einem bestimmten Atemrhythmus und hebt und senkt die Arme. Die Übung wird bevorzugt in freier Natur, vor Wasserfällen, Bäumen oder Bergen durchgeführt, denn man empfindet eine starke Verbundenheit zur Natur und zum Universum.
Als weitere Alternativen zur Sitzrezitation stellte Tsuchiya Masamichi u.a. die Gehrezitation und die Rezitation mit dankbarer Verbeugung.
So konnten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die ganze Bandbreite an Nenbutsu-Varianten in der Jodo Shu kennenlernen und jeweils für sich die passende Methode finden.
Frank Konen Büttgen
Mehr Informationen, Übungen und Texte von Yamazaki Bennei unter:
www.comyo.net



