Berlinale 2026 | Wie gehen wir mit Vergänglichkeit, Krankheit und Tod achtsam um?
29. Juni 2026
Allgemein | International | Medien

Auch wenn diese existenziellen menschlichen Themen keinen übergreifenden Schwerpunkt auf der Berlinale bildeten, spielten Themen wie Vergänglichkeit, Krankheit und Tod in zahlreichen Beiträgen eine große Rolle.
In der Sektion Forum lief Nao Yoshigais beeindruckender Dokumentarfilm „Masayume“ (Japan 2026). Darin geht die Filmemacherin nach dem Tod ihrer Mutter in einen Zen-Tempel, um dort Ruhe zu finden und ihren schmerzlichen Verlust zu verarbeiten. Der genau geregelte Tagesablauf und das Rezitieren buddhistischer Sutras geben ihr Halt. Prägend ist dabei ihr Motiv des „Suffering in Peace“ – im Tempel gibt es keine Störungen von außen und so kann sie sich ungestört ihrer Trauer hingeben.
Achtsamkeit prägt den Alltag: die sorgfältige Zubereitung der Speisen, das Einschenken einer Tasse Tee, das Gedenken der Ahnen und selbst die in Japan verpönten Magengeräusche finden in einer humorvollen Art ihren Platz. Nao bewegt sich in der Natur, spürt sich und ihre Verbundenheit mit der Erde, alles hängt zusammen und jede Schneeflocke ist exakt dort, wo sie hingehört, das ist die Botschaft des Zen. Eine persönlich bedeutsame Rolle spielen hier auch ihre Fotos, die sonst irgendwo achtlos herumlagen – jedes Foto erzählt eine Geschichte.
Im Anschluss an den Film gab es Gelegenheit, sich mit der Regisseurin auszutauschen. Vom Zen geprägt ist Nao Yoshigais Aussage „Stop telling stories“ (Hör auf, Geschichten zu erzählen), denn dort geht es um direkte Erfahrungen und nicht um Interpretation. Sie ist außer Filmemacherin auch noch Choreografin, Tänzerin und Autorin.
In Lance Hammers Wettbewerbsbeitrag „Queen at Sea“ (USA/UK 2026) reist die Universitätsprofessorin Amanda, hervorragend gespielt von Juliette Binoche, mit ihrer Tochter Sara von Newcastle nach London, um sich um ihre an Demenz erkrankte Mutter Leslie zu kümmern.
Die lebt mit ihrem zweiten Mann Martin, Amandas Stiefvater, zusammen. Da sie nicht mehr in der Lage ist, eigenständig Entscheidungen zu fällen, sieht Amanda es mit viel Argwohn, dass Martin immer noch regelmäßig mit ihr schläft. Amanda und Martin streiten darüber heftig und schlussendlich ruft Amanda die Polizei.
Das hat Konsequenzen, mit denen Amanda nicht gerechnet hat: Spuren werden gesichert, Martin wird der Vergewaltigung beschuldigt und muss bis zur Klärung des Sachverhalts ausziehen. Leslie muss daher vorübergehend in ein Heim, da sie ja hilflos ist, und nicht allein leben kann. Im Heim kommt es wiederum zu sexuellen Handlungen, diesmal mit einem anderen Heimbewohner und so ist am Ende alles schlimmer, als es zuvor war. Hier ist eine sorgfältige Abwägung gefragt, von allen schlechten Lösungen ist die beste zu finden. Da ist es hilfreich, achtsam in sich hineinzuhorchen und auf sein Herz zu hören.
Der Film ist unter anderem mit dem Silbernen Bären, Preis der Jury, ausgezeichnet worden.
Kai Jensen
Mehr Informationen: berlinale.de


