Ordinierter Roboter soll jungen Menschen den Buddhismus näherbringen
31. August 2026
Allgemein | International | Klöster und Ordinierte
In Südkorea, einem der technologisch fortschrittlichsten Länder der Welt, hat ein 1,30 Meter großer und 35 Kilogramm schwerer humanoider Roboter buddhistische Weihen empfangen. Der Roboter mit dem Dharma-Namen „Gabi“ nahm am 6. Mai 2026 im Jogyesa-Tempel in Seoul in einer öffentlichenkeitswirksamen Zeremonie Zuflucht zu Buddha, Dharma und Sangha und verpflichtete sich der buddhistischen Ethik.

Die Mönche des Jogye-Ordens, der größten buddhistischen Gemeinschaft Südkoreas, kleideten den Humanoiden der chinesischen Firma Unitree Robotics in traditionelle Roben und passten das Zufluchtsritual eigens für Gabi an. Der Verantwortliche für kulturelle Angelegenheiten des Jogye-Ordens, der Ehrwürdige Sungwon, erklärte gegenüber dem Guardian, dass es das Ziel dieses Projektes sei, vor allem junge Menschen wieder stärker für den Buddhismus zu interessieren.
Tradition und Moderne im Jogye-Orden
Der Jogye-Orden ist die grösste und einflussreichste buddhistische Gemeinschaft Südkoreas. Er betreut rund 2 000 Tempel in Korea und umfasst mehrere Millionen Laienanhängerinnen und Laienanhänger sowie mehrere tausend Ordinierte. Der Orden steht in der Tradition des koreanischen Seon-Buddhismus und verbindet klassische Meditations- und Koanpraxis mit Sutrenstudium, Mantra-Rezitation und verschiedenen Elementen des Volksbuddhismus wie Ahnenverehrung oder Segensritualen.
Der Name „Jogye“ leitet sich vom chinesischen Ort Caoxi ab, an dem sich vor etwa 1 200 Jahren der Tempel des sechsten Chan-Patriarchen Huineng befand. Der koreanische Seon-Buddhismus sieht sich bis heute in dieser Traditionslinie.
Eine westliche Ausprägung des koreanischen Seon-Buddhismus entstand mit der internationalen Kwan Um Zen Schule, die 1983 von dem Jogye-Mönch Seung Sahn gegründet wurde. Der deutsche Zweig mit Hauptsitz in Berlin ist Mitgliedsgemeinschaft der Deutschen Buddhistischen Union.
Gleichzeitig präsentiert sich der Jogye-Orden ausgesprochen modern und medienaffin. Er streamt Dharma-Talks und Zeremonien, bespielt Social-Media-Kanäle und veröffentlicht Kurzvideos auf Plattformen wie TikTok. Ziel ist es, den Dharma in die Gesellschaft hineinzutragen und insbesondere jüngere Menschen anzusprechen.

Gabi als humanoider Roboter G1
Dennoch gelingt es auch dem Jogye-Orden bislang nur begrenzt, die junge Generation zu erreichen. Der Buddhismus gilt vielen Angehörigen der koreanischen Gen Z als traditionell oder „old-fashioned“. Mit Projekten wie dem Robotermönch Gabi versucht der Orden, diesem Trend entgegenzuwirken.
Der Dharma-Name „Gabi“ wurde bewusst gewählt. Er setzt sich aus „Ga“, der ersten Silbe von Gautama Buddha, und „Bi“, der letzten Silbe des koreanischen Wortes „Jabi“ zusammen, das dem Sanskrit-Begriff karuna – Mitgefühl – entspricht.
Dabei ist Gabi kein eigens entwickelter spiritueller Roboter. Grundlage ist das humanoide Modell G1 der chinesischen Firma Unitree Robotics, das mit einem Preis von unter 20 000 US-Dollar in der Basisversion als besonders zugängliche Plattform gilt. Der G1 nutzt KI-gestützte Software und lässt sich flexibel programmieren und anpassen. Für die Zeremonie wurden etwa liturgische Bewegungsabläufe wie das Falten der Hände oder die dreifache Verbeugung vor der Buddha-Statue technisch umgesetzt.
Gabi und die Silas
Im Rahmen der Zeremonie legte Gabi angepasste buddhistische Ethikrichtlinien ab. Da einem Roboter menschliche Verhaltensweisen wie Alkoholkonsum oder sexuelles Fehlverhalten nicht zugeschrieben werden können, entwickelte der Jogye-Orden gemeinsam mit den Fachleuten sowie mithilfe der KI-Plattformen Gemini und ChatGPT modifizierte Regeln für den Humanoiden.
Gabi verpflichtet sich demnach dazu, Leben zu achten, keine Menschen, Objekte oder anderen Roboter zu schädigen, Energie sparsam zu verwenden und menschlichen Anweisungen zu folgen, solange dadurch kein Schaden entsteht.
Der Ehrwürdige Sungwon äusserte gegenüber internationalen Medien, diese Regeln könnten künftig gesellschaftliche Leitlinien für das Zusammenleben mit humanoiden Androiden beeinflussen. Tatsächlich soll Gabi bei Tempelführungen, Meditationen und anderen sozialen Interaktionen eingesetzt werden.
Gabi und der Jogye-Orden haben internationales Aufsehen erregt und die Debatte darüber, ob ein Roboter spirituelle Praxis verkörpern kann, weit über buddhistische Kreise hinaus angestoßen. Das Projekt verbindet Fragen moderner Robotik und Künstlicher Intelligenz mit buddhistischer Ethik und verweist zugleich auf die gesellschaftlichen Veränderungen, mit denen sich religiöse Gemeinschaften im digitalen Zeitalter zunehmend auseinandersetzen.
Peggy Anandi Martin
Links
https://www.jokb.org
https://www.jogyesa.kr/eng
https://www.aicerts.ai/news/humanoid-robot-monk-gabi-joins-korean-buddhist-order
https://www.theguardian.com/world/2026/may/08/jogyesa-temple-south-korea-humanoid-ai-robot-gabi



