Die Praxis des Medizinbuddha – Meditation mit einem Mantra
Meditation mit einem Mantra
Wir begeben uns an einen stillen Ort, säubern den Raum und richten einen kleinen Altar her. Auf dem Altar sollte sich ein Bild des Medizinbuddha befinden, vor dem Opfergaben in schöner Anordnung aufgebaut sind. Da diese Meditation auf der Grundlage der buddhistischen Zuflucht geübt wird, erzeugen wir zu Beginn die Zufluchtnahme.
Dann bringen wir, so gut wir können, den Erleuchtungsgeist hervor, etwa durch folgenden Gedanken: Der Sinn meines Lebens besteht darin, den Lebewesen Glück zu bringen und sie von ihren Problemen und den geistigen Ursachen ihrer Probleme zu befreien. Ob wir selbst krank sind oder für eine bestimmte Person beten, die uns nahesteht, wir schließen gedanklich alle Lebewesen in unsere Meditation mit ein.
Nachdem wir den Erleuchtungsgeist erzeugt haben, stellen wir uns vor, wie der Medizinbuddha vor uns im Raum in der Vajra-Meditationshaltung sitzt, Mönchsgewänder trägt und alle Zeichen und Eigenschaften eines Vollendeten besitzt.
Er ist von leuchtend blauer Körperfarbe. In der linken Hand hält er symbolisch eine mit Heilkräutern gefüllte Bettelschale, in der rechten Hand eine Myrobalanpflanze, welche die Kraft hat, die Störungen aller drei Säfte* zu heilen. Indem wir einladen, uns verneigen, Opfergaben darbringen, negative Handlungen bereinigen, uns am Heilsamen erfreuen und ein Mandala darbringen, erzeugen wir positive Kräfte, die unsere Meditation unterstützen.

Nun folgt die eigentliche Meditation. Wir rezitieren das Mantra:
adhyatha om vaizajye vaizajye mahavaizajye vaizajye raja samudgate svaha
Sinngemäß bedeutet das Mantra: Ich verneige mich vor dem Heiler, dem königlichen Heiler, der den Weg zur höchsten Erkenntnis gegangen ist.
Während wir das Mantra sprechen, stellen wir uns vor, dass reinigendes Licht aus dem Herzen des dunkelblauen Medizinbuddha auf uns fällt, uns umhüllt, in unseren Scheitel eintritt und seine heilende Wirkung entfaltet. Krankheiten und Schäden sowie deren Ursachen werden restlos beseitigt. Unser Körper ist vollständig von Licht erfüllt und wird rein wie ein Kristall.
Wenn wir für eine andere Person beten, stellen wir uns diese unterhalb des Buddha vor uns im Raum vor. Wir visualisieren, dass sich die reinigenden, heilenden Lichtstrahlen in alle Richtungen ausbreiten, um den Kranken zu heilen und die Ursachen seines Leidens hinwegzufegen. Wir entwickeln die Überzeugung, dass der Betroffene ganz geheilt und sein Körper transparent und lichthaft wird. Wenn wir können, dehnen wir diese Visualisierung auf andere Kranke aus, immer weiter, bis alle Wesen eingeschlossen sind.
Am Ende der Meditation widmen wir die heilsamen Kräfte positiven Zielen. Als Buddhistin oder Buddhist wünschen wir uns, den Zustand des Medizinbuddha selbst schnell zu verwirklichen, um allen Wesen helfen zu können. Wir erzeugen den Wunsch, dass wir immer und in allen Leben mit der besten Medizin gegen alle Leiden verbunden sein werden.
* In der tibetischen Medizin: Wind, Galle und Schleim, die Red.
Abdruck leicht gekürzt und angepasst mit Dank an die Redaktion von „Tibet und Buddhismus“, wo die Meditationsanleitung im Januar 2007 erstmals erschienen ist.

Soenam Choekyi
wurde 1948 in der damaligen DDR geboren und wuchs später in Westdeutschland auf. Während ihres Medizinstudiums kam sie mit dem Dalai Lama und weiteren spirituellen Lehrer:innen wie Krishnamurti und Ayya Khema in Kontakt. 1988 begegnete sie ihrem Wurzellehrer und absolvierte auf dessen Rat hin einen siebenjährigen Studienkurs in tibetischem Buddhismus bei Geshe Thubten Ngawang. 1995 legte sie in Taiwan die Bhikshuni-Gelübde ab und lebt seither im Tibetischen Zentrum Hamburg.


