Charlotte Brinkmann

Trotz allem schöne Momente

Wie man mithilfe von Buddhismus schwere Krisen überstehen kann

Heft: 02 | 2026 Macht
Verlag:Samvana Verlag
Jahr:2025
Preis:14 Euro
Seiten:302

Rezension

Was, wenn unsere Welt innerhalb weniger Sekunden zusammenbricht? Charlotte Brinkmann erfährt genau das: Ihr Leben ändert sich innerhalb weniger Sekunden radikal, als ihr Ehemann Rudi nach einem Fahrradunfall mit einem schweren Schädel-Hirn-Trauma in ein wochenlanges Koma fällt. Wie gehen Menschen damit um, wenn nichts mehr ist wie vorher, wenn jeder Tag zwischen Leben und Sterben, Rückfall und Genesungsfortschritt pendelt?

Dem Buch zugrunde liegt Charlotte Brinkmanns Tagebuch, das während dieser Jahre entstand – sie nimmt die Lesenden mit auf Krankenhausflure, in Ärztezimmer und zu Krankenkassentelefonaten – was beim Lesen mitunter schwer auszuhalten ist. Sie zeigt aber auch, wie sehr die tiefen Lehren von Buddha, Dharma und Sangha ihr sehr konkret halfen, mit den Herausforderungen vergleichsweise gut leben zu können. Sie ist eine langjährige Schülerin von Julie Henderson, einer Lehrerin des tibetischen Buddhismus, die die Methode des Zapchen entwickelt hat, was übersetzt so viel bedeutet wie „über das Gewohnte hinaus“.

Nur wenige Autor:innen beschreiben so ungeschminkt, wie alle klugen Lehren und spirituellen Gewissheiten in der Versenkung verschwinden können, wenn die Stürme des Lebens über uns hinwegfegen. Charlotte Brinkmann teilt ihre Verzweiflung, ihre Ohnmacht und ihre Zweifel an allem, was zuvor für sie Gewissheit war. Und sie berichtet von den heilsamen Gesprächen mit ihrer Lehrerin, die sie immer wieder an die Übungen aus dem Zapchen und dem tibetischen Buddhismus erinnert. Mit der großen Sangha erfährt sie tiefe Verbundenheit und erinnert sich an das, was trägt: Liebe, spirituelle Übung und (spirituelle) Freundschaft. Das gibt ihr die Kraft, sich immer wieder mit der schwer auszuhaltenden Vergänglichkeit zu konfrontieren.

Charlotte und Rudi kommen uns sehr nah, Rudis Entwicklung berührt tief, ebenso wie Charlottes manchmal verzweifelter, manchmal beinahe heiterer Umgang mit der Situation. Ein wunderbares Buch und die beeindruckende Dokumentation von Erfahrungen zwischen Abgründen, die auch Hochgefühle über die erfahrene Wirklichkeit umfassen. (Siehe auch „Mein buddhistisches Leben“, ein Gespräch mit Charlotte Brinkmann in dieser Ausgabe.)

Conny Dollbaum-Paulsen