Losel im Zoo
mit Illustrationen von Tenzin Sopa
| Heft: | 02 | 2026 Macht |
| Verlag: | Tibethaus Verlag |
| Jahr: | 2025 |
| Preis: | 18 Euro |
| Seiten: | 32 |
| Tibetisch – Deutsch | |
Rezension
„Losel im Zoo“ erzählt von einem Zoobesuch der neugierigen kleinen Losel, die zum ersten Mal Affen, Pfauen, Bären und Giraffen sieht. Das Besondere an dem tibetisch-deutschen Kinderbuch: Die tibetischen Passagen sind in tibetischer Umgangssprache geschrieben und revolutionieren – ein sprachliches Experiment – die komplexe tibetische Satzstruktur. Die Autorin realisiert das über eine innovative tibetische Schreibweise: Anstatt traditionell eine Trennung nur nach jedem Satz einzufügen, was es für nicht geübte Lesende schwierig macht, einzelne Wörter zu erkennen, trennt sie hier jedes Wort klar ab. Tibetisch-Neulingen dürfte es mit diesem Buch erheblich leichter fallen, den tibetischen Text zu lesen und zu verstehen.
Seit 1959 gibt es die weltweite tibetische Diaspora, und mit jedem weiteren Jahr im Exil wächst die Gefahr, neben der Heimat auch Sprache und Schrift zu verlieren. Dieses Buch markiert einen Wendepunkt in der tibetischen Literatur und ist nicht als Kritik an der Tradition zu verstehen, sondern als Erneuerung, die die Kultur erhält. Würden künftig alle tibetischen Texte, Briefe und Bücher auf diese neue Art geschrieben, könnten viele Exiltibeterinnen und -tibeter Tibetisch deutlich leichter lesen lernen. Besonderes Lob verdienen auch die Illustrationen der tibetischen Künstlerin Tenzin Sopa, die im Exil lebt. Sensibel und kinderfreundlich gestaltet, lassen sie mit weichen Farben und klaren Formen Losels Entdeckungstour durch den Zoo lebendig werden.
„Losel im Zoo“ stellt einen Meilenstein der tibetischen Kinderliteratur und ein bemerkenswertes Beispiel dafür dar, wie Tradition und Erneuerung Hand in Hand gehen können. Das Buch verbindet eine einfache, charmante Geschichte mit einem innovativen Schreibkonzept, das die tibetische Literatur modernisiert und für die nächste Generation zugänglich macht. Es ist nicht nur ein Muss für tibetische Familien, sondern auch eine klare Empfehlung für Nichttibeterinnen und Nichttibeter, die Tibetisch lernen möchten.


