Buddhismus
Eine Spurensuche in der westlichen Kultur
| Heft: | 03 | 2026 Herzgeist |
| Verlag: | Origo Verlag |
| Jahr: | 2026 |
| Preis: | 38 Euro |
| Seiten: | 508 |
Rezension
Dass sich der Buddhismus nicht gut als einheitliches Gebilde fassen lässt, ist bekannt. Ebenso, dass er sich im Zuge seiner Ankunft in der westlichen Welt noch einmal in unterschiedliche Strömungen, Richtungen, Schulen und Fraktionen geöffnet hat. Trotzdem weist Hans-Günter Wagner in seinem neuesten Buch erneut mit besonderem Nachdruck darauf hin, weil er ein Programm umsetzen möchte: Er sucht nach den Möglichkeiten zur Entfaltung eines westlichen Buddhismus, der sich nicht dogmatisch auf Ursprünge bezieht, sich aber auch nicht in immer kleinere Gruppen und Gruppierungen zersplittert.
Die Suche des Autors ist eine Spurensuche, bei der er sich vornimmt, die gesamte Geistes- und Kulturgeschichte des Abendlands zu durchqueren. Aufsammeln und ordnen will er Fundstücke, mit denen sich nachweisen lässt, dass der Buddhismus in den Westen nicht einfach importiert werden musste. Vielmehr haben sich seit der griechisch-römischen Antike ethische, politische, ökonomische, medizinische und künstlerische Gedanken und Praktiken entfaltet, die auf verborgene Weise westliche Kontaktmöglichkeiten für östliche Einflüsse bieten. So begegnet der Buddhismus im Westen nicht einfach dem Fremden – wie umgekehrt der Buddhismus für den Westen nie richtig fremd gewesen ist.
Der Autor wagt damit einen ganz großen Wurf: Er meint es ernst damit, so gut wie alle Zusammenhänge erklären zu wollen. Da geht es eben noch um „Buddhismus und westliche Philosophie“, schon folgt eine ausführliche Erläuterung zum Zusammenhang von „Buddhismus, Christentum und Atheismus“. Die „buddhistische Ökonomie“ behandelt er ebenso wie den „Buddhismus in Ökologie und Quantenphysik“ oder „Buddhismus in den Künsten“. Und wenn er den Verbindungen zu „gesellschaftlichen Großtheorien der Moderne“ nachspürt, dann liegt der Marxismus dabei ebenso auf seinem Weg wie die Systemtheorie. Da wundert es nicht, dass die Literaturliste am Ende knapp dreißig Seiten lang ist. Ein Namensverzeichnis gibt es nicht; es hätte womöglich den Rahmen gesprengt.
Der Autor ist allerdings kein Essayist, der das elegante und überraschende Zuspitzen praktiziert. Stattdessen tritt er als Sammler auf, der aus dem über Jahrzehnte hinweg erweiterten Fundus von Lektüren Stellenhinweise ausbreitet, die dann kurzerhand in einen großen Thesenrahmen geschraubt werden.
So ist aus seiner enzyklopädisch angelegten Spurensuche eher ein großes Lesebuch geworden. Leserinnen und Leser, die einen Überblick über das Große und Ganze erwarten, werden davon nicht viel haben. Beschenkt werden aber alle, die sich lesend mit auf Spurensuche begeben, sich blätternd bereichern lassen und dabei wissen: Man muss selbst weitersuchen.


