Buddha-Talk: „Buddhismus und Machtmissbrauch“

25.11.2017 / Der Hamburger „Buddha-Talk“ ist eine nichtkommerzielle, traditionsübergreifende Veranstaltungsinitiative, die in Partnerschaft mit der Buddhistischen Religionsgemeinschaft Hamburg realisiert wird. Im Rahmen dieser Reihe fand am 19. November 2017 in den Räumen der Soka Gakkai in Hamburg ein Abend zum Thema „Buddhismus und Machtmissbrauch“ statt.

Worauf liegt ein Schweigen, worüber darf gesprochen werden in der buddhistischen Landschaft in Deutschland? | © Ann (Flickr, CC)

Den Impulsvortrag zu Beginn des Abends hielt der Wissenschaftler Steffen Döll, der 2015 auf die neu eingerichtete „Numata-Professur für Japanischen Buddhismus“ am Asien-Afrika-Institut der Universität Hamburg berufen wurde. Er sprach zum Thema "Lehrerautorität versus Textautorität - Chancen und Gefahren". Darin konzentrierte er sich auf den Zen-Buddhismus, in dessen Selbstverständnis die Figur des Lehrers oder Meisters eine zentrale Rolle einnimmt. Die Authentizität und Legitimität des Lehrers ergebe sich daraus, so Professor Döll in seinem Vortrag, dass er die Erfahrung das Buddha – das Erwachen – existenziell selbst nachvollziehe. Mitunter treibe die gehobene Stellung des Meisters aber auch verwunderliche Blüten, wie Texte des Zen-Buddhismus, aber auch aktuelle Ereignisse zeigten. Zudem sei die Position des Meisters nicht immer so fest gefügt gewesen, wie es die Tradition heute gerne darstelle. Anhand von Beispielen zeigte Steffen Döll auch, wie Autorität und Legitimation des Lehrers eben nicht nur aus seinem persönlichen Nachvollzug des buddhistischen Erwachens, sondern oft auch aus dem Bezug auf Texte oder kulturelle Traditionen erzeugt wurden.

 

Anschließende Podiumsdiskussion: Zahlreiche Perspektiven

Dem Vortrag folgte eine Podiumsdiskussion. Neben Professor Döll nahmen als Gäste daran teil: Ursula Richard (BUDDHISMUS aktuell), Gabriele Maass (Rigpa Deutschland), Wolfgang Krohn (Buddhistische Religionsgemeinschaft Hamburg), Sensei Corinne Frottier (GenjoAn), Dr. Carola Roloff (Akademie der Weltreligionen, Universität Hamburg, Verena Förderer (Daishin Zen), Felix Baritsch (Deutsche Buddhistische Union). Es moderierte Jinavaro R. Hopf von der Initiative BuddhaTalk. Opfer sexueller Übergriffe im buddhistischen Kontext waren nicht auf das Podium eingeladen.

Im Laufe des Abends wurde eine Vielzahl von Themen aus unterschiedlichen Perspektiven angesprochen, so der Umgang von Organisationen mit Missbrauch in den eigenen Reihen, die Legitimation durch bestimmte Lehren, die Selbstverantwortung seitens der Schülerinnen und Schüler, die Bemühungen der DBU um die Installierung eines Ethikrates, Fragen von Mittäter- und Komplizenschaft und die fehlende Präsenz von Betroffenen auf dem Podium. Mit großem Beifall seitens des Publikums wurde auf den Dank des Moderators an Ursula Richard reagiert, dass BUDDHISMUS aktuell seit einiger Zeit auf der Website und in der Printausgabe vermehrt über die aktuellen Ereignisse berichtet und viele Hintergrundberichte liefert.

 

 

 

 

Weitere Informationen

Wer den Abend im Detail nachvollziehen möchte, kann diese Quellen verwenden:

 

⇒ Der Veranstalter Buddha-Talk hat einen Video-Mitschnitt der Podiumsdiskussion online gestellt.

⇒In der Sendereihe „Tag für Tag“ des Deutschlandfunks gab nachfolgend eine recht kritische Zusammenfassung der Veranstaltung aus Sicht einer Fachjournalistin für religionswissenschaftliche Themen. 

 

⇒ Einen Beitrag der Journalistin unter dem Titel „Verhaltende Selbstkritik“ sendet am Sonntag, 26. November, um 7.05 Uhr und um 12.05 Uhr „Blickpunkt Diesseits“, das Magazin aus Religion und Gesellschaft des NDR-Rundfunks. Dieser Link führt zur Downloadmöglichkeit des Audiopodcasts.