Wirf dich in das Haus Buddhas
| Heft: | 03 | 2026 Herzgeist |
| Verlag: | Angkor Verlag |
| Jahr: | 2025 |
| Preis: | 20 Euro |
| Seiten: | 222 |
| Herausgegeben von Pjotr Kogen Czarnik, mit Nachworten von Bodhin Kjolhede und Bussan Shoshin, aus dem Englischen von Hans-Jürgen Platzeck | |
Rezension
Es heißt, die besten Bücher über Zen seien jene, die nie geschrieben worden sind. Die zweitbesten – und zu ihnen gehört dieses Buch ganz gewiss – sind Sammlungen von Lehren, die aus Erzählungen, Mitschriften oder Tonaufnahmen zusammengestellt sind. „Wirf dich in das Haus Buddhas“ wurde von Belenda Attaway Yamakawa zusammengestellt, einer lebenslangen Schülerin von Tangen Harada Roshi. Als erste Frau und erste Nichtjapanerin lebte und übte sie im Zen-Kloster Bukkoku-ji. Sie hat begonnen, den Text ins Englische zu übersetzen und herauszugeben, später hat das der Mönch Kogen Czarnik federführend beendet.
Die deutsche Ausgabe verdankt sich der Gemeinschaft des Zen-Tempels Shinkoosan Butsugen-ji in Lippstadt, die bereits 2024 Tangen Haradas Buch „Ein Tun“ herausgegeben hat. Bussan Shoshin, der Abt des Klosters und ebenfalls ein Schüler Tangen Haradas, hat ein Nachwort beigesteuert. Darin schildert er Begegnungen mit seinem Meister, sein Leben in den Klöstern und seine spirituelle Entwicklung. Ergänzt wird der Band durch Dogen Zenjis Hotsuganmon (Worte zur Erweckung des Gelübdes), auf das Tangen Harada immer wieder Bezug genommen hat. Eine Zeitleiste, zahlreiche Fotografien, ein Glossar buddhistischer Begriffe sowie den Kapiteln vorangestellte Kalligrafien runden das Buch ab.
Im ersten Teil („Lebensgeschichte“) erfahren Leserinnen und Leser aus der Ich-Perspektive Wesentliches aus dem Leben Tangen Haradas, der 1924 geboren worden und 2018 gestorben ist. Schon als Kind – seine Mutter verstarb kurz nach der Geburt – „stieg ein großes Fragen“ in ihm auf: nach dem Leben, dem Sein, nach der Möglichkeit von Freiheit, Tiefe, Gemeinschaft und Erfüllung. Intuitiv erkennt er, dass er „nicht gut“ ist, und entschließt sich, künftig immer mit ganzem Einsatz das zu tun, was getan werden muss. Mit 17 bringt ihn ein Buch erstmals in Kontakt mit der Einsicht, dass das eigene Sein aus einer Verkettung von Handlungen und Ereignissen hervorgeht und es einen Weg gibt, sich aus dieser Verkettung zu befreien. Fünf Jahre später wird der Übersetzer dieses Buches ins Japanische sein Zen-Lehrer. Sein Entschluss, „wie ein Stuhl zu werden“ – anzunehmen, was kommt und anderen anspruchslos zu dienen, ohne beachtet zu werden und Dank zu erwarten – wird zur Säule seiner Übung. Spirituelle Erlebnisse in der Natur offenbaren ihm die Verbundenheit mit allem, Nähe und die nährende, kraftvolle Wirklichkeit des Atems, noch bevor er überhaupt mit dem Sitzen beginnt. Mehrmals entkommt er dem Tod und begreift, dass sich auf dem entschlossen eingeschlagenen Weg alles fügt und für ihn gesorgt ist. Die wesentliche Einsicht und Übung aber wird sein, alles loszulassen: Dinge, Menschen, Wünsche, Selbstbilder und jede Form der Identifikation. Es gilt, sich vertrauensvoll Buddha oder dem Sein zu übergeben und aus der Erfahrung der Leere gelassen das zu tun, was getan werden muss. Der zweite Teil („Zen-Gespräche“) gibt in 24 leicht zu verstehenden Kapiteln unmittelbar ansprechende Einblicke in seine Zen-Lehre.
Wer wissen will, warum wir üben müssen, wenn wir bereits erleuchtet sind, warum alles gut ist, wie es ist, obwohl die Welt voller Leid und Schmerz ist, weshalb Denken nicht zur Erlösung führt und warum es keine Erlösung für das Ich oder Ego gibt, warum Reue das überzeugende Kriterium des Durchbruchs ist und vieles, vieles mehr – die oder der sollte selbst „Wirf dich in das Haus des Buddhas“ lesen … und üben, üben, üben …
Benedikt Maria Trappen


