Umgang mit Konflikten im Buddhismus und innerhalb der buddhistischen Gemeinschaft

Im Pali-Vinaya(1) gibt es eine Geschichte über eine Gruppe von Mönchen, die beschlossen, Vassa – die Regenzeit, während der die Mönche nicht mehr reisen – in völliger Stille zu verbringen, um „alle zusammen, in freundschaftlichem Einvernehmen und in Harmonie, eine angenehme Regenzeit zu verbringen und nicht an Almosenmangel zu leiden“. Das Kapitel trägt den bezeichnenden Titel „Nicht in Bequemlichkeit verweilen“. Der Buddha tadelt die Mönche für ihr Verhalten und stellt fest, dass diese Übereinkunft nicht zu einer positiven Wahrnehmung des Sangha in der Gesellschaft führen wird.

Foto: Chris Sabor auf unsplash

Ein Beitrag von Robert Szuksztul veröffentlicht in der Ausgabe Online-Artikel unter der Rubrik SCHWERPUNKT fürsorglich

Anstatt eine solche oberflächliche Harmonie zu billigen, begründete der Buddha die Pavarana-Zeremonie, die seitdem jeweils zum Ende der dreimonatigen Vassa abgehalten wird. In dieser laden die Mönche sich gegenseitig ein, Kritik an ihren Handlungen zu äußern. Eine solche Einladung wird von jedem Mönch erwartet und als ein Weg der Verhaltensläuterung gesehen, bei dem Fehlverhalten eingestanden und Wiedergutmachung geleistet wird.(2)

 

Diese Geschichte ist sehr bedeutsam für den richtigen Umgang mit Konflikten. Sie sagt uns, dass man sich oft unbequemen Situationen, Kritik und Meinungsverschiedenheiten stellen muss, um wirklich in der Zufriedenheit und dem Frieden des Geistes, der aus heilsamem Verhalten erwächst, verweilen zu können. Herausforderungen aus dem Weg zu gehen, indem man zum Beispiel den Kontakt abbricht, wird vom Buddha als unheilsam und unvorteilhaft bezeichnet. Sowohl Einzelpersonen als auch Gruppen benötigen eine Rückmeldung über ihre Handlungen durch ihr soziales Umfeld. Eine solche gegenseitige Kontrolle schafft gesunde Bedingungen für den buddhistischen Sangha und jede andere Organisation. Das ist auch der Grund, warum der Buddha immer Wert darauf legte, dass der monastische Sangha in einem sehr engen Kontakt mit den Laien stand. 

 

Abgesehen davon, dass es unheilsam ist, ist es auch sinnlos, zu versuchen, Konflikte gänzlich zu vermeiden, denn jede organisierte Struktur – oder auch jedes Individuum innerhalb einer solchen Struktur – wird letztlich mit dem Problem konfrontiert werden, dass es Veränderungen in der internen oder externen Umgebung vor Entscheidungen stellen. Angesichts der Vielzahl von Wahlmöglichkeiten, unterschiedlicher Motivationen, Hintergründe und weiterer Unterschiede ist es unvermeidlich und natürlich, dass sich Gruppen bilden, deren Ansichten und Interessen in Konflikt zueinander stehen. Das Ziel sollte daher sein, die richtigen Arten von Konflikten aus den richtigen Gründen und auf die richtige Art und Weise anzugehen und sie wegen ihres reinigenden, klärenden und vereinheitlichenden Potenzials für gegenwärtige und zukünftige Situationen willkommen zu heißen. Im Folgenden wird dieses Ziel näher erläutert.

 

Drei Stufen des innerbuddhistischen Umgangs mit Konflikten

 Der richtige Weg zur Bewältigung innerbuddhistischer Streitigkeiten muss von der Einstimmung auf die gemeinsamen Grundlagen ausgehen, den übergreifenden „Geist“ des Buddhismus, der sich in einem besonderen Verständnis der Wirklichkeit und in einer daraus hervorgehenden Lebensweise manifestiert. Es gibt zweifellos sehr gute Gründe, von vielen Buddhismen zu sprechen – einzigartige Traditionen, die durch Zeit, Ort, Lehrmeinungen, Sprache, Kleidung und sogar Küche getrennt sind. Und doch ist es ebenso klar, dass diese verschiedenen Formen eine gemeinsame Entstehungsgeschichte und einen gemeinsamen Kern von Ideen und Werten haben, die es erlauben, sie als einen Buddhismus zu bezeichnen. Wichtiger als die genaue Identifizierung dieser gemeinsamen Ideen ist die Betonung ihres gemeinsamen Geistes, der vielleicht am prägnantesten durch den Metta-Wunsch ausgedrückt wird: „Mögen alle Wesen glücklich, sicher und geborgen sein.“(3) Metta drückt das Gefühl des gemeinsamen Schicksals und der gegenseitigen Abhängigkeit aller fühlenden Wesen aus, die endlos im Samsara, dem immerwährenden Kreislauf des Seins, umherwandern und sich danach sehnen, dauerhaften Frieden zu finden. Diese Betonung der Gemeinsamkeit – gemeinsame Befindlichkeit, gemeinsames Erbe, gemeinsame Ziele und Bestrebungen – ist ein grundlegend wichtiges Element für eine positive Konfliktlösung. Alle weiteren Schritte sollten von diesem Prinzip geleitet sein.

 

Die zweite Stufe des Konfliktmanagements und der Konfliktlösung besteht in der Notwendigkeit, eine gemeinsame Interpretation von Schlüsselkonzepten in Übereinstimmung mit den gemeinsamen Grundwerten zu fördern – eine Art gemeinsamer Rahmen oder gleiche Ausgangsbedingungen für alle buddhistischen Gruppen, fest verankert im Geist des oben erwähnten gemeinsamen buddhistischen Erbes. Die Treue zu diesem Geist wird sich positiv auf Konzepte und Ideen auswirken, die für die Bewältigung von Konflikten von entscheidender Bedeutung sind. Das könnte zum Beispiel die Frage sein, wie man zwischen heilsamen und unheilsamen Wurzeln von Konflikten unterscheidet, wie man seine Gegner wahrnimmt, was die buddhistische Gemeinschaft, den Sangha, oder das buddhistische Erbe ausmacht. Dieser Rahmen sollte im Einklang mit der Tradition stehen und dabei möglichst ergebnisoffen und umfassend sein.

 

Die dritte Stufe ist die kontextabhängigste und besteht darin, die richtigen Haltungen und Methoden in der gegebenen Situation einzusetzen. Dieses Instrumentarium muss zwar immer an die spezifische Situation angepasst werden, sollte aber als natürliche Erweiterung der ersten beiden Phasen verstanden werden.

 

 

Konflikt, Papageien voneinander abgewendet, Foto: Nikola Johnny Mirkovic auf unsplash.com
Foto: Nikola Johnny Mirkovic auf unsplash.com

Obwohl es auf der zweiten Stufe, also der Bestimmung des Rahmens, viele Themen gibt, möchte ich der Kürze halber hier nur drei behandeln: 1) die Unterscheidung zwischen zwei Arten von Konflikten, 2) das heilsame Verständnis von Sangha, 3) das heilsame Verständnis des buddhistischen Erbes.

 

1) Zwei Arten von Konflikten 

Die erste Art von Konflikten, die ich erörtern möchte, hat Geld, Macht, Einfluss und die Befriedigung anderer persönlicher Wünsche zum Ziel. Um ein solches Ziel zu erreichen, stellt sich eine Gruppe gegen vermeintliche Konkurrenten oder Kritiker. Es handelt sich dabei um eine unheilsame Art von Konflikt, der den drei Wurzeln Gier, Hass und Verblendung entspringt. Das berühmte Kalama-Sutta(4), das oft als Befürwortung der selbstbestimmten Nachforschung interpretiert wird, beginnt mit dem Zweifel an dem Aufbau von Vertrauen in die Lehre und die Lehrer:

 

„Es gibt da, Ehrwürdiger, einige Asketen und Brahmanen, die nach Kesaputta kommen. Die erklären und achten ihren eigenen Glauben, den Glauben anderer aber beschimpfen, schmähen, verachten und verwerfen sie. […] Da sind wir denn, Ehrwürdiger, im Unklaren, sind im Zweifel, wer wohl von diesen Asketen und Brahmanen Wahres und wer Falsches lehrt.“(5)

 

Die Antwort des Buddha führt zu der Feststellung, dass die drei Wurzeln von Gier, Hass und Verblendung unheilsam sind und unheilsame Folgen haben und dass alles, was sie zum Ausdruck bringt, abgelehnt werden sollte. Diese Art von Konflikten muss daher als unvereinbar mit den grundlegenden buddhistischen Zielen angesehen werden und hat in buddhistischen Gemeinschaften keinen Platz. Die beiden Hauptprobleme mit dieser Art von Konflikten sind erstens, dass ihre Triebkräfte im menschlichen Zustand allgegenwärtig sind und – wie wir alle wissen – einen Standardmodus menschlichen Verhaltens darstellen, wenn sie unkontrolliert bleiben, und zweitens, dass ihre wahre Natur oft durch andere, oberflächliche Gründe verdeckt wird, die sie als edel und gut erscheinen lassen, wie zum Beispiel die Verteidigung des Dharma gegen innere und äußere Feinde. Alternativ kann diese Art von Situation als legitimer Streit in Bezug auf eine praktische oder theoretische Angelegenheit beginnen, aber später, aufgrund der den Menschen innewohnenden Bevorzugung der eigenen Gruppe, in eine unheilsame Form abgleiten.

 

In der zweiten Konfliktform geht es um das Wohlergehen des Buddhismus, der als eine Kraft zur Förderung des Fortschritts der fühlenden Wesen verstanden wird. Ein solcher Konflikt kann jedes beliebige Thema betreffen – sei es in der Vergangenheit, Gegenwart oder Zukunft, praktisch oder theoretisch – und, wenn er richtig ausgetragen wird, förderlich sein. In seiner heilsamen Form erfordert er einen freundlichen und respektvollen Dialog, in dem Differenzen offen diskutiert werden. Innerhalb des Buddhismus gibt es nicht wenige Fragen, bei denen Unterschiede in der Herangehensweise gerechtfertigt sind. Wenn diesen Differenzen mit der richtigen Einstellung begegnet wird, kann ihre Diskussion den Buddhismus wirklich bereichern. Das ist aber nur möglich, wenn sich die Parteien immer den Unterschied zwischen der ersten und der zweiten Art von Konflikt vor Augen halten und niemals zulassen, dass die eine mit der anderen verwechselt oder vermischt wird.

 

2) Auslegung von Sangha

Das Problem des Verständnisses von Sangha ist eine natürliche Erweiterung der Frage „Ein Buddhismus oder viele Buddhismen?“. Wir können verschiedene buddhistische Sanghas als geteilte und unzusammenhängende Gruppen betrachten, die ständig miteinander konkurrieren. Genauso gut können wir sie aber auch als verschiedene Aspekte von etwas sehen, das im Grunde genommen eins ist. Es gibt Argumente für beide Sichtweisen, und beide finden zweifellos in alltäglichen Begegnungen ihren Ausdruck. Die Frage ist, wie man sich zwischen der universellen und der speziellen Ausprägung buddhistischer Identität orientieren kann. Ist es notwendig, sich für das eine zu entscheiden und das andere auszuschließen, um entweder ein Buddhist im Allgemeinen oder ein Reines-Land- oder Zen-Praktizierender zu sein? Wenn nicht, wie verhalten sich diese Identitäten zueinander? Hat eine von ihnen den Vorrang?

 

Die Praxis zeigt, dass diese Identitäten problemlos nebeneinander bestehen. Ähnlich wie beim „Code-Switching“ mehrsprachiger Menschen, die innerhalb eines Gedankengangs zwischen verschiedenen Sprachen hin und her wechseln, denken, handeln und bezeichnen sich buddhistische Einzelpersonen und Gruppen je nach Kontext einfach als Buddhist:innen oder als Mitglieder einer bestimmten Linie oder Gruppe. Es ist allerdings zu vermuten, dass eine bestimmte Gruppenidentität, die den konkreten Erfahrungen eines Individuums nähersteht, vorrangig ist. Daran ist nichts problematisch, solange zwischen diesen beiden Identitäten ein gesundes Gleichgewicht herrscht. Es besteht jedoch immer die Gefahr, dass die Gruppenidentität so stark wird, dass sie jede andere verdrängt. Das kann im europäischen Kontext noch dadurch verstärkt werden, dass die dem Christentum entstammenden Begriffe „Häresie“ und „Schisma“ – Irrlehre und Spaltung – miteinfließen. Im Rahmen der Konfliktbewältigung muss dieser Tendenz aktiv entgegengewirkt werden, indem für Zusammenarbeit geworben und die Gemeinsamkeiten und das gemeinsame Erbe hervorgehoben werden. Die gewinnbringendste Art der Konfliktbewältigung besteht letztlich darin, sie vom Standpunkt des Sangha aus anzugehen – aus der Sphäre des „wir“, und nicht „wir gegen sie“. Bei der Festlegung der Grenzen der als „wir“ verstandenen Sangha muss ein möglichst liberales und inklusives Verständnis angewandt werden, das mit dem oben beschriebenen Geist des Buddhismus in Einklang steht. So wie verschiedene Fachleute – Mathematiker, Physiker, Chemiker, Biologen –, die das gleiche Objekt erforschen, alle Wissenschaftler sind, gehört auch jeder, der versucht, Gier, Hass und Verblendung zu überwinden, dauerhaften Frieden zu finden und auf diesem Weg den Mitmenschen zu helfen, zum Sangha.

 

3) Definition des buddhistischen Erbes 

Ein Thema, das eng mit der Frage nach dem Verständnis von Sangha zusammenhängt, ist die Definition des textlichen Erbes des Buddhismus. Wenig überraschend ist, dass die Antwort in dieselbe Richtung geht wie die vorherige. Zur Veranschaulichung wollen wir eine Passage aus der Charta des Intersein-Ordens zitieren: 

 

„Der Intersein-Orden betrachtet kein Sutra und auch keine Gruppe von Sutras als seine grundlegende(n) Schrift(en). Er lässt sich von der Essenz des Buddhadharma in allen Sutras inspirieren. Er akzeptiert nicht die von irgendeiner Schule vorgeschlagene systematische Gliederung der buddhistischen Lehren. Der Intersein-Orden versucht, den Geist des Dharma, aus dem frühen Buddhismus zu verwirklichen, ebenso wie die Entwicklung dieses Geistes durch die Geschichte der Sangha und deren Leben und Lehren in allen buddhistischen Traditionen.(6)

 

Die Rechtfertigung für diese Position findet sich auch in der Darstellung der vier großen Autoritäten im Mahaparinibbana-Sutta.(7) Darin wird die Möglichkeit beschrieben, dass in der Zukunft eine Person auftauchen wird, die behauptet, eine echte buddhistische Lehre zu kennen. Das Kriterium für die Annahme oder Ablehnung einer solchen Behauptung ist die Übereinstimmung mit der erhaltenen Lehre und Disziplin. Ich verstehe das als Übereinstimmung mit dem zuvor beschriebenen grundlegenden buddhistischen Geist.

                                                                                                             

Zusammenfassend kann man sagen, dass für die Bewältigung von Konflikten die Notwendigkeit besteht, fortwährend auf den grundsätzlichen Geist zu achten, der den Buddhismus durchdringt. Das sollte zu einem offenen und freizügigen Verständnis von Sangha und dem buddhistischen Erbe führen, das über die eigene Gruppe hinausgeht. Von größter Wichtigkeit ist es, zwischen einem heilsamen und einem unheilsamen Konflikt zu unterscheiden und letzteren zu vermeiden, da er die grundlegenden buddhistischen Prinzipien verletzt.

 

 

Kämpfende Hirsche, Foto: Ming Jun Tan auf unsplash.com
Foto: Ming Jun Tan auf unsplash.com

Methoden und Haltungen bei der Bewältigung von Konflikten

In einer idealen Welt würde die Einhaltung der oben genannten Grundsätze Konflikte beenden oder sie in einer freundlichen Atmosphäre leicht handhabbar machen. Das ist leider oft nicht der Fall. Die beiden Hauptgründe dafür sind „schlechte Akteure“ innerhalb der buddhistischen Gemeinschaft oder ein tiefgreifendes Kommunikationsproblem, bei dem beide Seiten in unvereinbaren Begriffen sprechen und Schlüsselbegriffe völlig unterschiedlich interpretieren. Die Frage ist, wie man unter solchen Umständen einen Konflikt bewältigen kann. Die Antwort auf den zweiten Fall lautet: mehr Kontakt, mehr Austausch und mehr Dialog auf der Suche nach einer gemeinsamen Grundlage. Die Antwort auf den ersten Fall ist zumindest teilweise die gleiche – in den Dialog treten, um in aller Ruhe auf die wahrgenommenen Abweichungen von den buddhistischen Lehren aufmerksam zu machen.

 

Die Methoden oder Instrumente für eine Auseinandersetzung sind in der Tradition fest verankert: die Lehren der Schriften, ihre begründete Interpretation und ihre Anpassung an neue Situationen durch Erweiterung, durch rationale Analyse der logischen Konsistenz einer These oder ihrer möglichen Konsequenzen. Von besonderer Bedeutung ist die Betonung der Treue zum Wesen des Buddhismus – dem Sinn nach und nicht buchstabengetreu – als wichtiges Argument.

 

Die richtige innere Haltung ist beim Umgang mit Konflikten vielleicht noch wichtiger. Aus Zeit- und Platzgründen liste ich die Punkte, die ich für die wichtigsten halte, im Folgenden auf: 

  • Eine positive Geisteshaltung gegenüber den Gegnern, die sich in der Praxis der Brahmaviharas, der vier zu kultivierende Geisteshaltungen anderen Wesen gegenüber, ausdrückt.
  • Sich in gutem Glauben auf eine Diskussion über einen strittigen Punkt einlassen oder sich ganz aus der Diskussion heraushalten.
  • Den Konflikt weniger zu einer persönlichen Angelegenheit zu machen, hilft, ihn in einem gesunden Rahmen zu halten. Jede Form der Identifikation wird im Pali-Kanon offen kritisiert.
  • Die Suche nach Antworten auf evolutionäre und nicht auf revolutionäre Weise und geprägt von Respekt für die Vergangenheit und Verantwortung für die Zukunft.
  • Die Aufrechterhaltung der Kontakte und des Dialogs ist von größter Bedeutung. Jede Angelegenheit, die zunächst zurückgestellt werden kann, um dieses Ziel zu erreichen, sollte zurückgestellt werden. Wann immer die Angelegenheit als ernsthaft falsche Darstellung des Dhamma wahrgenommen wird, sollte das unmissverständlich bekannt gemacht werden.
  • Die Angelegenheit mag eine bestimmte Person betreffen, doch sollte die Kritik nicht persönlich verstanden werden, sondern eher allgemeine Mechanismen ansprechen, deren Schlussfolgerungen auf ähnliche Fälle in der Zukunft anwendbar sind.
  • Offenheit und Transparenz auf allen Ebenen und in allen Aspekten der Organisationsstrukturen. Die Übertragungslinie, das Erbe aus Texten, die Verwaltungsstruktur, die Ziele, die finanziellen Rahmenbedingungen und die Geldtransfers sollten alle öffentlich und leicht zugänglich gemacht werden – hier könnten wir wieder auf die Struktur des Interbeing-Ordens verweisen, die zumindest einige dieser Ziele gut umsetzt. Transparenz wirkt sich sehr positiv auf die allgemeine Wahrnehmung und das Vertrauen aus. 
  • Vertrauen in die Allgemeinheit – ob Sangha oder nicht. Wenn eine offene Organisation offen über die Verwicklung in einen Konflikt berichtet, trägt das dazu bei, die allgemeine Wahrnehmung über die Ursachen, die Beteiligten und die Lösungen festzulegen. Die Stimme einer geschlossenen Organisation mit einer undurchsichtigen Struktur läuft Gefahr, als rein sektiererisch abgetan oder kritisiert zu werden.
  • Sicherstellen, dass die Wahrheit an erster Stelle steht, dass alle Parteien die gleiche Sprache sprechen, das heißt, dass alle Beteiligten die Schlüsselthemen in ähnlicher Weise verstehen und die Diskussion in der richtigen Art und Weise geführt wird. Eine richtige Sprache zeichnet sich dadurch aus, dass sie wahrheitsgemäß, nicht diskriminierend und nicht verletzend ist und die Dinge auf den Punkt bringt.
  • Sich im Falle eines unheilsamen Konflikts nicht einzumischen. Wenn man mit einer Partei konfrontiert wird, die unheilsame Beweggründe und Handlungen hat, sollte man auf die oben genannten Haltungen und Handlungen zurückgreifen, aber nicht in der gleichen Art und Weise reagieren, die die beleidigende Gruppe an den Tag legt.
  • Wenn alles andere scheitert, sollte das Ziel sein, die Konflikte zumindest grundsätzlich handhabbar zu halten, indem ein rudimentäres Maß an Kommunikation aufrechterhalten wird, und die Öffentlichkeit offen über die aktuellen Entwicklungen zu informieren.
  • Wie bereits gesagt, lassen sich Konflikte nicht vermeiden. Was Buddhistinnen und Buddhisten bedenken müssen, ist, dass die Art und Weise, wie sie auf einen Konflikt reagieren, auch den Grad der Treue zum Wesen der buddhistischen Lehren wiederspiegelt. Ein Konflikt kann oft eine Chance zur Verbesserung und Bereicherung des Buddhismus sein; er ist jedoch immer eine Übung zur geistigen Kultivierung derjenigen, die ihn austragen.

 

 

Zitierte Werke

[1] Vin. Kd. 4,1,11 ff., in: R. Gethin (Hg.): „Sayings of the Buddha. A selection of suttas from the Pali Nikāyas“, Oxford world’s classics, Oxford – New York: Oxford University Press 2008

[2] Siehe: I. B. Horner, B. Isaline, B. Brahmali (Übers.): „The Book of the Discipline“, SuttaCentral 2014, S. 1613–1617

[3] Sutta Nipata 1,8, in: Laurence Khantipalo Mills (Übers.): „Sutta Nipāta“, SuttaCentral 2015 oder V. Fausbøll: „The Sutta-Nipâta. The Sacred Books of the East“, Oxford: Clarendon press 1881

[4] Kesaputtiya, Anguttara Nikaya 3,65

[5] Bodhi (Hg.): „The numerical discourses of the Buddha. A translation of the Aṅguttara Nikāya“, The teachings of the Buddha. Boston: Wisdom Publications 2012, S. 280, Übersetzung durch die Redaktion

[6] Order of Interbeing/Tiep Hien: „Structure and Organization“, 2011, Chapter II orderofinterbeing.org/about/our-charter/ (abgerufen am 25.9.2019)

[7] Digha Nikaya 16, eine deutsche Fassung findet sich auf: https://archive.org/details/dighanikayadasbu00franuoft/page/n9/mode/2up?view=theater (abgerufen am 17.12.2021).

 

Übersetzung von Susanne Szabadkai

Der Text basiert auf dem Beitrag, der auf der Jahrestagung der Europäischen Buddhistischen Union vorgestellt wurde. Er ist in gekürzter Form im EBU-Magazin vom Mai 2020 erschienen:

www.ebumagazine.org/2020/05/29/managing-conflict-in-and-within-buddhism-by-robert-szuksztul/

 

 

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Robert Szuksztul

Robert Szuksztul ist Forscher an der Jagiellonen-Universität im polnischen Krakau und beschäftigt sich seit vielen Jahren mit buddhistischem Gedankengut – sowohl in philosophischer als auch in kultureller Hinsicht. Persönlich betrachtet er das buddhistische Verständnis von der Verbundenheit allen Seins als eine wesentliche Einsicht für alle Bereiche, von der Erziehung über menschliche Beziehungen bis hin zur Klimakrise.
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