Shambala: Buddhistische Gemeinschaft gibt Missbrauch zu

12.03.2018 / Die Leiter von „Shambhala International“ haben eingestanden, dass es in der Gemeinschaft zu "abscheulichem Sexualverhalten" gekommen sei. Die Leitungsebene sei damit "nicht zurechtgekommen".

Shambala-Eingang | © seanmonkey

Shambhala International unterhält mehr als 200 Meditationszentren auf der ganzen Welt und ist damit eine der größten buddhistischen Organisationen des Westens. Die Leiter von Shambala wurden tätig, nachdem ein aktives Mitglied der Gemeinschaft in den USA, Andrea Winn, einen Bericht über sexualisierte Gewalt bei Shambala publiziert hatte. 

Winn, die erklärte, auch selbst misshandelt worden zu sein, hatte das Thema zuvor ein Jahr lang recherchiert. Sie schreibt unter anderem: "Bekannte Kinderschänder sind in der Shambhala-Gemeinschaft frei aktiv, manche sind sogar angesehene Lehrer.“ Viele missbrauchte Menschen hätten sich nicht anders zu helfen gewusst, als die Gemeinschaft zu verlassen, um zu heilen. Mit ihrem Bericht möchte Andrea Winn einen Raum schaffen, in dem Frauen über Missbrauch sprechen und Erfahrungsberichte zusammentragen können. Shambhala-Anhänger weltweit sollen "die Wahrheit hören können“.

Die internationalen Leiter von Shambhala, der so genannte Kalapa-Rat, reagierten mit einem offenen Brief an die Gemeinschaft, der online veröffentlicht wurde. Darin heißt es:

 

"In unserer komplexen Geschichte gab es Fälle von sexuellem Schaden und unangemessenen Beziehungen zwischen Mitgliedern und zwischen Lehrern und Schülern. Wir kommen immer noch aus einer Zeit, in der solche Fälle nicht immer mit Sorgfalt und Geschick behandelt wurden. Die Mitglieder haben sich manchmal nicht gehört gefühlt oder wurden behandelt, als wären sie ein Problem, wenn sie versuchten, Beschwerden vorzubringen. Wir sind untröstlich, dass solche Schmerzen und Ungerechtigkeiten immer noch passieren. "

 

Der Rat erklärte,  sich nun entschieden gegen alle Formen von Missbrauch und Diskriminierung zu stellen, ebenso wie gegen jegliche Bemühungen, Berichte über Fehlverhalten zu unterdrücken oder Opfer zu beschämen. Die Unsicherheit, wie die systemische Natur dieser Verletzungen angegangen werden solle, habe die Leiter „zu einem Teil des Problems gemacht“. 

Ausdrücklich sprach der Rat seine Dankbarkeit all denen aus, die Veränderungen gefordert haben und übernahm „Verantwortung dafür, Räume zu schaffen, in denen Wunden aus der Vergangenheit erkannt und geheilt werden können.“

Der Kalapa-Rat befinde sich in einem Prozess des Zuhörens und Fühlens.

 

„Während wir mehr hören und lernen, haben wir uns kollektiv und individuell dazu verpflichtet, Schulungen zu absolvieren, um uns dabei zu helfen, Machtdynamiken und geschlechtsspezifische Schäden besser zu verstehen. Durch diese Arbeit werden wir einen umfassenden Plan entwickeln, um Missbrauch und Diskriminierung innerhalb unserer Shambhala-Kultur, einschließlich der Führung anderer, anzugehen. Wir können das nicht isoliert tun. Wir verpflichten uns, die nächsten Schritte innerhalb eines Monats klar zu kommunizieren."

 

Shambala-Zentrum in Boulder | © Wally Gobetz

Diskriminierung auf vielen Ebenen

Es sei außerdem nicht möglich, ein soziales Problem isoliert zu beleuchten, ohne nicht auch die damit verbundenen anderen Ungerechtigkeiten zu thematisieren, wie Rassismus und Homophobie. 

 

„Wir erkennen, dass viele in unserer Sangha mit verschiedenen Formen der Marginalisierung und Ausgrenzung konfrontiert sind, die nicht ausschließlich sexuell sind. Diese Gruppen können sich oft von der Überschneidung von Rassismus, Queer- und Transphobie und Frauenfeindlichkeit in der Welt und in Shambhala überwältigt fühlen. Wir setzen uns dafür ein, sexuelle Schäden durch Schulungen und transparente Prozesse zu beseitigen und Führungskompetenzen für marginalisierte Gruppen zu fördern.“

 

Es liege eine schwere Zeit vor der Gemeinschaft, dennoch zeigte sich der Rat zuversichtlich. „Mit Liebe, Freundlichkeit und Zärtlichkeit in unseren Herzen streben wir danach, gemeinsam eine aufgeklärtere Gesellschaft aufzubauen.“

Einige männliche Shambala-Lehrer wurden inzwischen aus ihren Ämtern entfernt.

 

Weitere Informationen: