MYANMAR: Hilfsorganisationen warnen vor Verschärfung der Krise

22.08.2019 / 61 Hilfsorganisationen, darunter CARE, Save the Children, Oxfam, die Welthungerhilfe und World Vision, warnen vor einer Verschärfung der Krise in Myanmar. Seit zwei und mehr Jahren leben fast 1 Millionen Rohingya in einem Flüchtlingscamp in Bangladesch, weitere 128.000 sind Vertriebene im eigenen Land, die starken Beschränkungen unterliegen. Die Aussichten auf gesicherte Rückkehr, Menschenrechte und Existenzsicherung sind aktuell hier wie da nicht gegeben.

Kutupalong Refugee Camp (John Owens-VOA)

Hintergrund-Information

In Myanmar sind seit 2012 etwa 128.000 vertriebene Rohingya und andere muslimische Gemeinschaften in Lagern im Bundesstaat Rakhine untergebracht. Sie können derzeit nicht in ihre Heimat zurückkehren.

Fast 1 Millionen weitere Geflüchtete leben in Kutupalong, dem größten Flüchtlingslager der Welt, welches im südlichen Bangladesch, im Distrikt Cox’s Bazar, an der Grenze zu Myanmar liegt. Dort werden sie zwar mit dem Lebensnotwendigen versorgt, eine Perspektive für die Zukunft haben sie aber nicht.

Die Kinder leiden unter Mangelernährung und unter Bedrohungen durch Menschenhandel, Drogen und Kriminalität. Flüchtlingsfrauen und -mädchen sind geschlechtsspezifischer Gewalt ausgesetzt und gesundheitlich eingeschränkte Menschen haben Schwierigkeiten beim Zugang zu grundlegender Versorgung. Mehr als 25.000 Kinder gehen nicht in die Schule und 97 Prozent der Jugendlichen im Alter von 15 bis 18 Jahren besuchen keine Art von Bildungseinrichtung.

In Bangladesch forderte die Hilfeleistung für die Flüchtlinge viel von den Aufnahmegemeinden. Der Prozentsatz der Haushalte, die von weniger als 60 US-Dollar pro Monat leben, wuchs nach dem Zustrom der Flüchtlinge im August 2017 von 10 auf 22 Prozent.

 

 

Rückkehr problematisch

In Bangladesh waren in dieser Woche Nachrichten von einer möglichen beschleunigten Rückführung von Rohingya Flüchtlingen nach Myanmar in Umlauf gebracht worden. 

Viele von den Flüchtlingen sehnen sich nach Rückkehr, aber die Bedingungen dafür sind derzeit nicht günstig. Nach einem aktuellen Bericht des Australian Strategic Policy Institute sind in Myanmar die Vorbereitungen für die Rückkehr minimal, die Behörden zerstören auch weiterhin Rohingya-Dörfer und setzen an deren Stelle Militärbasen oder schaffen Platz für potenzielle Rückführungslager. Aussicht auf eine selbstbestimmte Zukunft schafft das nicht.

61 Hilfsorganisationen äußerten große Besorgnis über die Sicherheit der betroffenen Familien im Bundesstaat Rakhine. 

 

 

Aufruf der Hilfsorganisationen

Die Hilfsorganisationen fordern die Regierungen von Bangladesch und Myanmar nachdrücklich auf, dafür zu sorgen, dass jeder Rückkehrprozess sicher, freiwillig und würdevoll verläuft und die Flüchtlinge bei allen politischen Entscheidungen, die ihr Leben und ihre Zukunft betreffen, Mitsprache haben.

Die internationale Staatengemeinschaft fordern die Unterzeichner der gemeinsamen Erklärung auf, die Mittel für die humanitäre Hilfe in Bangladesch und Myanmar aufzustocken, um das Leben von Flüchtlingen und Aufnahmegemeinschaften sowie von Binnenvertriebenen zu verbessern. 

 

LINKS

Gemeinsame Erklärung der 61 NGOs, 21.8.2019
Two Years On: Rohingya Deserve Justice, A Place at the Table
https://reliefweb.int/report/bangladesh/two-years-rohingya-deserve-justice-place-table

 

Die EBU (Europäische Buddhistische Union) und der Rat der DBU haben bereits mehrfach Stellung zu den Ereignissen in Myanmar genommen und die dort ausgebrochene Gewalt als nicht vereinbar mit den grundlegenden buddhistischen Prinzipien des Nichtverletzens, des gegenseitigen Respekts und des Mitgefühls erklärt.
europeanbuddhism.org/news/ebu-condemns-violence-in-myanmar/

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