Myanmar: Gewalt und Unterdrückung nehmen zu

21.05.2022 / Seitdem das Militär vor mehr als einem Jahr die demokratisch gewählte Regierung Aung San Suu Kyis gestürzt und die Macht ergriffen hat, herrscht Willkür in Myanmar. Freie Meinungsäußerung wird zunehmend unterdrückt, die Gewalt eskaliert weiter und es bahnt sich eine humanitäre Katastrophe an. Die Hilfsorganisation International Rescue Committee, die sich für Flüchtlinge und Kriegsopfer einsetzt, schätzt in ihrer „Überwachungsliste der Notfälle“ die Lage in Myanmar als eine der zehn gefährlichsten humanitären Krisen in diesem Jahr ein. Hilfe sei dringend notwendig. 

Über eine Verschärfung der Maßnahmen zur Unterdrückung der freien Meinungsäußerung hatte im Mai das Auslandsjournal des ZDF berichtet: Friedliche Demonstrierende sind nun mit Anklagen wegen Hochverrats bedroht und können rechtlich verfolgt werden und alle, die Inhalte zur Unterstützung der gewählten Gegenregierung veröffentlichen, müssen mit langen Haftstrafen und dem Verlust ihres Eigentums rechnen. 

 

Auf der Rangliste zur Lage der Pressefreiheit ist Myanmar dramatisch abgerutscht und liegt nur noch auf Platz 176 von 180. Die Junta macht unabhängigen Journalismus quasi unmöglich, schreibt die international tätige Menschenrechtsorganisation Reporter ohne Grenzen. Das Internet wird immer wieder gesperrt, unabhängige Medien und Journalistinnen und Journalisten werden bedroht. Die neu gebildete Pro-Junta-Miliz, über die im April 2022 Radio Free Asia und auch soziale Medien berichtet haben, gibt sich nicht einmal den Anschein von Legitimität. Die Gruppe, die sich als Thway Thauk, auf Deutsch „Blutgenossen“, bezeichnet und eine Nähe zur Militärregierung offiziell abstreitet, hat sich zu acht Morden an Mitgliedern der gewählten Gegenregierung innerhalb einer Woche bekannt. Auf den Körpern ihrer Opfer hinterließ sie das Logo und Insignien ihrer Gruppe. Auch zur Ermordung von Reporter:innen und Redakteur:innen freier Medien und Nachrichtenagenturen wie The Irrawaddy, Mizzima, Democratic Voice of Burma und The Irrawaddy Times haben die „Blutgenossen“ aufgerufen; das teilte die Facebook-Gruppe Free Burma Projekt im Mai auf Facebook mit.

 

Trotz allem gibt es sie noch, „die Mutigen, die sich täglich der Lebensgefahr des Protests aussetzen, die ihren Traum eines demokratischen Miteinanders nicht aufgeben wollen“, wie sie die ZDF-Nachrichtensendung Panorama im Mai in einem Beitrag beschrieb. Nach der Bedeutung der Protestierenden gefragt, antwortete der aus Myanmar stammende Politikanalyst Khin Zaw Win: „Diese Aktionen halten den Glauben an den Widerstand und die Revolution am Leben. Die Junta weiß um die Effektivität dieser Flashmobs. Die Mehrheit der Menschen wagt nicht, sich daran zu beteiligen. Aber sie bejubelt diese Aktionen. Deshalb geht die Junta brutal dagegen vor, sie verhaftet, foltert, tötet.“ 

Kirsten Schulte 

 

Weitere Informationen und Spenden:

Panorama, ZDF am 7. Mai 2022:
www.zdf.de/nachrichten/panorama/myanmar-putsch-kampf-um-demokratie-100.html 

auslandsjournal extra vom 5. Mai 2022:
www.3sat.de/gesellschaft/auslandsjournal-extra/auslandsjournal-extra-404.html 

Reporter ohne Grenzen:
www.reporter-ohne-grenzen.de/rangliste/rangliste-2022   

International Rescue Committee:
de.rescue.org/report/watchlist-2022   
de.rescue.org/artikel/die-zehn-schlimmsten-humanitaeren-krisen-2022  

Blood Comrades:
www.rfa.org/english/news/myanmar/militia-04272022203708.html www.facebook.com/groups/103676105234/permalink/10166397123150235, abgerufen am 4.5.2022 

 

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