#MeToo in China: Präsident des Nationalen Buddhistischen Verbands tritt zurück

20.08.2018 / Der Präsident des Nationalen Buddhistischen Verbands Chinas und damit einer der ranghöchsten buddhistischen Mönche des Landes ist nach massiven Missbrauchsvorwürfen zurückgetreten. Er wird beschuldigt, sexuelle Dienstleistungen von Nonnen erzwungen und Geld veruntreut zu haben. Die Regierung will die Vorwürfe nun untersuchen.

Chinesische Nonnen | Foto: Sebastiaan ter Burg

Eine 95-seitige Dokumentation, die zwei Mönche des berühmten Longquan-Klosters in Peking Anfang des Jahres der Polizei übergaben, brachte den Skandal ins Rollen. Darin erhoben sie schwere Vorwürfe gegen Shi Xuecheng, Abt des Klosters und Präsident des Nationalen Buddhistischen Verbands Chinas.

Der ranghohe chinesische Buddhist soll zahlreiche Nonnen durch Schikanen zu sexuellen Dienstleistungen genötigt und außerdem Gelder veruntreut haben. Die Dokumentation mit Opfer-Aussagen führte zu einem Aufschrei in den sozialen Medien Chinas und zu einer ungewöhnlich offenen Berichterstattung in den staatlichen Medien, bis die Zensur griff und weitere Meldungen unterdrückt wurden. In China findet derzeit eine starke #MeToo-Debatte statt. Immer mehr Frauen wagen den Schritt an die Öffentlichkeit und klagen die sexualisierte Gewalt ihrer Vorgesetzten oder Kollegen an. Die mächtige chinesische Staatsverwaltung für religiöse Angelegenheiten erklärte, dass sie den erhobenen Vorwürfen gegen den Abt "große Bedeutung beimesse" und diese untersuchen werde.

Als einer der bekanntesten Mönche und Autoren Chinas leitete Xuecheng nicht nur den Buddhistischen Verband des Landes, sondern ist bislang auch einflussreicher politischer Berater der Zentralregierung. Sein Longquan-Kloster am nordwestlichen Stadtrand von Peking ist bei gebildeten Chinesen sehr beliebt, darunter viele, die hochbezahlte Jobs aufgeben, um ihr Leben dem religiösen Studium zu widmen. Xuecheng hat zahlreiche Bücher veröffentlicht und eine große Anhängerschar in den sozialen Medien. 

Foto: Sebastiaan ter Burg

"Gefälschte Beweise"

Xuecheng und sein Kloster bestritten die Vorwürfe zunächst. Die Berichterstattung beruhe auf illegalen „gefälschten Beweisen", um "Meister Xuecheng" zu hintergehen.  Am 15. August gab der Buddhistische Verband nun doch den Rücktritt seines Präsidenten bekannt, allerdings ohne die Kontroverse noch einmal zu erwähnen.

In China leben rund 250 Millionen Buddhistinnen und Buddhisten. Ihre Zahl könnte rasch anwachsen, da sich junge Menschen im Land zunehmend für Spiritualität interessieren und sich neben dem Buddhismus vermehrt auch dem Taoismus, Christentum und Islam zuwenden.

Quellen