Internationale Theravada Bhikkhuni-Ordination in Bodhgaya, Januar 2019

30.03.2019 / Am 28. und 29. Januar 2019 fand, unter der Schirmherrschaft der Mahabodhi Society of India, eine internationale Theravada Bhikkhuni-Ordination in Bodhgaya statt. An diesem symbolträchtigen Ort, an dem der Buddha vor mehr als 2600 Jahren seine Erleuchtung erlangte, wurden vierundzwanzig weibliche Novizinnen (Samaneri, Sikkhamana) aus verschiedenen Ländern als vollordinierte Bhikkhunis anerkannt.

Im Gegensatz zu den Mönchen muss eine Nonnenordination von beiden Gemeinschaften – der der Nonnen und der der Mönche – anerkannt werden. Entsprechend der Ordensregeln wird die Ordination von einer Nonne, der Präzeptorin, geleitet, die seit mindestens 12 Jahren vollordinierte Bhikkhuni ist. Fünf weitere Bhikkhunis müssen der Ordination beiwohnen. In einem zweiten Schritt wird die Ordination dann durch den Bhikkhu-Sangha, den Mönchsorden, der durch fünf Bhikkhus vertreten ist, bestätigt.


Die in Bodhgaya versammelten Nonnen und Mönche kamen aus Sri Lanka, Thailand, USA, Neuseeland, Taiwan, Bangladesch, Malaysia und weiteren Ländern angereist. Unter anderem nahm auch der im Westen durch seine Übersetzungen und sozialen Projekte weithin bekannte Bhikkhu Bodhi an der Zeremonie teil. Die vierundzwanzig Anwärterinnen stammen aus Sri Lanka, Vietnam, China und Thailand.


Da es vierundzwanzig Kandidatinnen gab und die Ordensregeln nur die Ordination von drei oder weniger Kandidatinnen auf einmal erlauben, erhielten die neuen Bhikkhunis ihre Ordinationen in acht Dreiergruppen, wodurch sich die Ordination über zwei volle Tage erstreckte. Nach der Ordination verbreitete sich eine Stimmung der Freude, des Glücks und der Erleichterung, und die ganze Sangha erhielt von großzügigen Spendern Gaben von Blumen und Sangha Dana (Geschenke nützlicher klösterlicher Requisiten).

 

Der Nonnenorden galt bereits als ausgestorben

Nachdem der Nonnenorden in den traditionellen Theravada-Ländern Sri Lanka, Thailand, Myanmar, Laos und Kambodscha als ausgestorben galt, wurde vor gut 20 Jahren, ebenfalls in Bodhgaya, die erste Bhikkhuni-Ordination seit mehr als 1000 Jahren in dieser Tradition durchgeführt. Seitdem erstarkt der Nonnenorden wieder, ist aber in seinen Stammländern noch nicht vollständig akzeptiert bzw. wird von den dortigen Mönchsorganisationen vollkommen abgelehnt. Vor allem in Myanmar wird seine Legalität nach wie vor bestritten, während in Sri Lanka seit 1998 Bhikkhuni-Ordinationen gemäß der Vorschriften durchgeführt werden.


Seit dem Jahr 2009 wächst der Bhikkhuni-Sangha auch im Westen, v.a. in Australien und in den USA.

In Deutschland wurde die erste Bhikkhuni-Ordination im Jahr 2015 im Anenja Vihara, in Bayern, durchgeführt, Buddhismus Aktuell berichtete darüber. Das Nonnentrainingskloster Anenja Vihara dient dem Zweck, die Bhikkhuni Sangha in Deutschland zu etablieren und zu fördern. Dort erhalten Anwärterinnen ein Training in der Theravadatradition, das nach dem Dhamma Vinaya ausgerichtet ist.

In Europa wird aktuell in den belgischen Ardennen ein Nonnenkloster gebaut: Tilorien. In England ist das Anukampa-Projekt auf der Suche nach Land für ein Kloster für Bhikkhunis in der Theravada-Tradition.


Mit der diesjährige Ordination von drei Samaneris vom chinesischen Festland wurde der Bhikkhuni-Sangha auch dort wieder etabliert. Mehrere vietnamesische Samaneris wurden zu vollwertigen Bhikkhunis ordiniert und damit ist in Vietnam der dortige Orden jetzt soweit angewachsen, dass die Rezitation der Ordensregeln vorschriftsmäßig, d.h. in Anwesenheit von mindestens 4 Nonnen, mit aus dem Land stammenden Bhikkhunis durchgeführt werden kann.

 

Ein Weltrat des Theravada Bhikkhuni-Sangha?

Nach der erfolgreichen Ordination nahmen die neuen Sangha-Mitglieder gemeinsam mit ihren Lehrern und Lehrerinnen an der, von der Mahabodhi Society of India veranstalteten, “Globalen Konferenz über Buddhismus und Frauenrechte“  (Global Conference on Buddhism and Women’s Liberation) teil. Auf der Konferenz wurde vorgeschlagen, dass die versammelten Bhikkhuni-Lehrerinnen aus zehn Ländern einen „Weltrat Theravada Bhikkhuni-Sangha“ bilden, um die harmonische Zusammenarbeit und Kooperation des wachsenden internationalen Bhikkhuni-Sangha zu unterstützen, die Ausbildung und Ordination von Samaneris und Bhikkhunis zu leiten und die Renaissance des Bhikkhuni-Sangha in seiner Heimat Indien und auf der ganzen Welt zu unterstützen.

 


Anzeige
Aktuelle Ausgabe
BUDDHISMUS aktuell 3/2019: jung & alt Inhalt der Ausgabe