Dalai Lama Nachfolge - Reinkarnations-System der Lamas abschaffen?

30.11.2019 / Das tibetisch-buddhistische System der Anerkennung von Reinkarnationen buddhistischer Lehrer habe "möglicherweise ausgedient", sagte der Dalai Lama vor Studenten des Government College im nordindischen Dharamsala im Oktober. Mehrere indische Zeitschriften berichteten über das Treffen. Auf der 14. Tibetischen Religionskonferenz in Dharamsala baten Vertreter aller Schulen des tibetischen Buddhismus den Dalai Lama inständig, das Amt und die Nachfolgeregelung beizubehalten. Gleichzeitig betonten sie aber, dass die Entscheidung allein in seiner Hand liege. 

Foto of the Dalai Lama by Christopher Michel

Reinkarnation der Lamas abschaffen?

Im Gespräch mit Schülern des erstmalig stattfindenden halbjährigen Zertifikatskurses in „Altindischer Weisheit“ am Government College in Dharamsala, äußerte der Dalai Lama im Oktober, dass die tibetische Tradition, reinkarnierte Lamas – genannt Tulkus – anzuerkennen,  zu einem Ende kommen könnte.

 

Nach einer Erklärung aus dem Büro des Dalai Lama2, sagte dieser, dass es in Indien keine Tradition der Reinkarnation großer Lehrer und keine Lama-Institution gegeben habe. Die entwickelte sich in Tibet und habe, so wie viele andere tibetische Institutionen, mit dem Feudalwesen in Verbindung gestanden. Er frage sich, welchen Platz diese Institution in einer demokratischen Gesellschaft einnehmen könnte. „Ich denke, es ist an der Zeit, dass wir zum indischen System des Buddhismus zurückkehren, in dem es kein Lama-System gab."

 

Politische Hintergründe

In den vergangenen Jahren hatte der Dalai Lama bereits mehrfach geäußert, dass das System der Reinkarnation von Lamas, welches sich in Tibet im 12. Jahrhundert entwickelt hatte, ausgedient haben könnte. Das hat auch politische Gründe, denn  die chinesische Zentralregierung möchte nach dem Tod des XIV. Dalai Lama ihren eigenen, ihr genehmen Dalai Lama inthronisieren und ausbilden, um mit dessen Hilfe den tibetischen Buddhismus kontrollieren zu können3.

 

Der Dalai Lama, dessen Reinkarnationslinie zur Gelug-Schule gehört, ist alleine ist nicht in der Lage, eine Veränderung solchen Ausmaßes für den Tibetischen Buddhismus vorzunehmen. Die anderen Schulen, namentlich Sakya-, Kagyü-, und Nyingma-Schule haben jeweils ihre eigenen Reinkarnationslinien. Es gibt weitere hochrangige tibetische Lamas, die sich ähnlich äußern, so z.B. Dagyab Rinpoche: „Das Reinkarnations-System gehört ins Museum!“4

 

Resolution der 14. Tibetischen Religionskonferenz betont Bedeutung des Amtes

Die Frage der Nachfolge des Dalai Lama gewinnt zunehmend an Bedeutung und spielte auch auf der 14. Tibetischen Religionskonferenz, die vom 27.-29. November 2019 in Dharamsala von Vertretern aller Schulen des tibetischen Buddhismus abgehalten wurde, eine große Rolle.

 

In einer einstimmigen Resolution wurde bestätigt, dass die Reinkarnation des Dalai Lama nur entsprechend der tibetischen Tradition erfolgen könne und dass alleine der Dalai Lama die Autorität besitze, über den Ablauf seiner Reinkarnation zu entscheiden.

"Es ist eine Frage der Glaubwürdigkeit, der Legitimität. China könnte einen [Dalai Lama] ernennen. Aber der Beauftragte wird keine Glaubwürdigkeit haben. Fake ist immer Fake", sagte CTA-Präsident Lobsang Sangay am Mittwoch. "Es liegt nun an Seiner Heiligkeit zu entscheiden, wann, wo und ob." ( The Japan Times)

 

Gleichzeitig wurde in der Resolution die Bedeutung, die das Amt des Dalai Lama für die Tibeter hat, betont und hervorgehoben, dass die tibetische Bevölkerung den großen Wunsch habe, die Institution und Nachfolgeregelung des Dalai Lama aufrechtzuerhalten. Daher bäten sie ihn inständig, dem nachzukommen.

 

 

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