Belgische Buddhistische Union steht im Begriff, die staatliche Anerkennung zu erhalten

03.11.2020 / Der Antrag der Belgischen Buddhistischen Union (BBU) auf staatliche Anerkennung als Lebensphilosophie soll nach mehrjähriger Wartezeit nun bewilligt werden. Das verkündete die neue belgischen Regierung Anfang Oktober in ihrer Regierungserklärung. In Belgien kann eine Glaubensgemeinschaft entweder als Religion oder als Lebensphilosophie anerkannt werden. Beide Möglichkeiten sind rechtlich und finanziell gleichgestellt. 

Noch ist es aber nicht ganz so weit; der Gesetzgebungsprozess in Belgien ist komplex, weil drei Regionen, mehreren Provinzen und die Vertreterinnen und Vertreter der drei Sprachgemeinschaften – flämisch, französisch und deutsch – einbezogen werden müssen. Da die Regierung die Mehrheit im Parlament hat, kann man aber bereits von einer Bewilligung ausgehen. Bis zum endgültigen Abschluss des Vorgangs muss noch mit einer Bearbeitungszeit von sechs bis zwölf Monaten gerechnet werden. 

 

Ist der Anerkennungsprozess erfolgreich durchlaufen, wird die BBU die offizielle Vertreterin des Buddhismus in Belgien sein. Das bedeutet, dass buddhistische Zentren, die Mitglied in der BBU sind, Zuschüsse von der Regierung erhalten. Auch Lehrerinnen und Lehrer für Buddhismusunterricht an öffentlichen Schulen und buddhistische Seelsorgerinnen und Seelsorger werden dann vom Staat bezahlt. Neben finanziellen Vorteilen wird mit der Anerkennung auch das Ansehen und die öffentliche Wahrnehmung der BBU steigen. So wird zum Beispiel ihr Präsident, zusammen mit anderen Religionsverantwortlichen, jährlich vom König in den Königspalast eingeladen. Ganz konkret kann die BBU dann auch politisch mitwirken, denn sie wird dem Rat der Verantwortlichen der Religionen und nichtkonfessionellen Philosophien beitreten, der zweimal jährlich unter dem Vorsitz des Premierministers tagt. Dieser Rat wird zur Entwicklung der Harmonie im Land, unter anderem zur Verhinderung von Radikalismus und Terrorismus, konsultiert. 

BBU mit Carlo Luyckx in der Mitte
Komitee der nationalen buddhistischen Unionen, in der Mitte der Präsident der BBU, Carlo Luyckx

Die BBU ist Mitglied der Europäischen Buddhistischen Union, die in ihrer Arbeit auf europäischer Ebene ebenfalls durch diese Anerkennung gestärkt wird.

 

Weitere Informationen:

Bericht des Präsidenten der BBU: Rede Carlo Luyckx

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