DEBATTE 2: "Es bleibt viel Raum für buddhistische Ethik"

Der Beitrag in BUDDHISMUS aktuell 4/2016 ("Bedeutet Leben Leiden?") hatte unseren Leser Dr. Rigmar Osterkamp nachdenklich gestimmt – und in einigen Punkten zum Widerspruch herausgefordert. Hier ist die Entgegnung des Autors Karl-Heinz Brodbeck.

"Irgendwie" wissen alle Menschen um die Vergänglichkeit. Aber leben sie auch danach? | © James Cridland

Ein Beitrag von Prof. Dr. Karl-Heinz Brodbeck veröffentlicht in der Ausgabe Diskussionen unter der Rubrik Ökonomie

 

Lieber Herr Osterkamp, vielen Dank für Ihren Brief – der mich überrascht hat, nach all den Jahren (wir sind uns wohl Ende der 1980er Jahre zuletzt am Ifo-Institut oder an der Hochschule für Politik über den Weg gelaufen). Die Buddhisten nennen so etwas „Karma“. Zu Ihrem Brief; ich werde nur einige Punkte genauer aufgreifen, muss sie aber doch etwas vertiefen, um auch für Nicht-Ökonomen verständlich zu bleiben.

 

„Nicht empirisch“


Sie verwenden anfangs die Wörter „Behauptung“ und „… nicht einfach zu beweisen“. Nun, der buddhistische Dharma ist keine empirische Wissenschaft. Er schlägt nur etwas vor, das man jeweils selbst erproben kann, keineswegs „muss“ oder „soll“. Der Buddhismus ist keine normative Religion, wie die abrahamitischen. Um zu zeigen, dass Glücksversprechen als Waren angeboten werden, dazu bedarf es allerdings nur eines Blicks in diverse Zeitschriften, die zu lesen jedenfalls mir bestenfalls im Wartezimmer meines Zahnarztes einfällt. „Glück+Seminar“ liefert bei Google knapp 600.000 Einträge. Ist das empirisch für Sie hinreichend? Mir genügt das als phänomenologischer Ausgangspunkt.

 

Tod und Vergänglichkeit. Sicher, jeder weiß das – irgendwie. Das zu wissen bedarf es keines Buddhismus. Was hat der Buddha dazu gesagt? Als Ausgangspunkt sind es schlicht todsichere Wahrheiten. Jedenfalls ist bislang kein Unsterblicher entdeckt worden. Man sollte sein Leben, so der Buddha, auf der Grundlage von Wahrheit aufbauen, nicht auf Illusionen. Das Genannte – Vergänglichkeit und Tod, sowie andere Leiden – gilt traditionell als „erste Edle Wahrheit.“ Bei einer Unternehmung, bei vielen Plänen deren Vergänglichkeit zu vergessen, ist zwar ebenso „üblich“ (wollen Sie dafür wieder einen empirischen Beleg?), aber eben wenig hilfreich. Als Gewohnheit eingeübt und gepredigt – z.B. in Spielfilmen; Liebesfilme enden in der Regel mit Hochzeiten, nicht mit Beerdigungen –, wird es eben zu einem unbemerkten, heimlichen Denkfehler. Das heißt: Eine auf falschen Grundlagen („Glück ist zeitlos“) wachsende Hoffnung ist für jeden irgendwann todsicher enttäuschend.

 

 

„Menschen unterschätzen“

 

Sie meinen, ich würde meine Mitmenschen „unterschätzen“. Nehmen wir einmal an, Sie hätten diese Aussage „empirisch getestet“. Ich würde dann sagen: Wohl unterschätze ich weniger meine Mitmenschen, eher die Politiker, die sie wählen. Ihnen ist bekannt, dass die globale Durchschnittstemperatur die letzten zwei Jahre nochmals rapide gestiegen ist, dass die Polkappen rascher abschmelzen, als der IPCC (der Weltklimarat) es prognostiziert hatte, dass viele Meeresfische immer mehr Plastik in sich tragen usw. – Und das betrifft „nur“ ökologische Fragen; ich schweige z.B. von den Finanzmärkten oder den zahllosen Kriegen oder den Zahlen vom Oxfam-Institut über die globale Verteilung des Reichtums. Ich will sagen: Wenn meine Mitmenschen, die 7,4  Milliarden auf unserem Planeten, dafür immer auch – wenigstens als Wähler – mitverantwortlich sind, so „unterschätze“ ich niemand, bemerke aber, dass es mit dem Mitgefühl und der Erkenntnis der Verschränkung mit der Natur und der menschlichen Handlungen untereinander global nicht sonderlich weit her ist. Es bleibt also noch viel Raum für buddhistische Ethik.


Richtig: Das, was der Buddhismus zur Struktur menschlicher Existenz aussagt, beruht durchaus auf erfahrbaren Grundlagen. Das ist ja der Witz an dieser Lehre. Der Buddha sagt: „Geht nicht nach Meinungen, heiligen Büchern, Gurus, bloßen Theorien, vorschnellen Schlüssen usw. Wenn ihr aber selber erkennt, dann mögt ihr entsprechende Gedanken und Handlungen, die Leiden auslösen, aufgeben.“ Das ist die Essenz der buddhistischen Ethik, eigentlich eine durchaus säkulare Ethik, wie der Dalai Lama auch immer wieder betont, denn „Ethik ist wichtiger als Religion“. Und wenn Sie bei Eltern und Freunden gefunden haben, dass diese das auch so sehen und deshalb die Einbettung in die Natur, das Lebendige, die Gesellschaft auch in mitfühlende Praxis umgesetzt haben – ausgezeichnet! Ich bitte nur jene, die es nicht getan haben, vielleicht noch einmal nachzudenken.


Geht nicht nach Meinungen, heiligen Büchern, Gurus, bloßen Theorien, sagte der Buddha | © Kiran Foster

 

"Das Ich"

 

Nun, das ist keine theoretische Frage. Zu Descartes müsste ich viel sagen (das ist keine rhetorische Floskel, sondern durchaus in einigen meiner Bücher ausführlich nachzulesen). Vor allem ist zu klären, was das Wort „existieren“ hier bedeutet – Sie deuten das auch an, vielleicht im Geist Heideggers. Nun ist das aber gerade ein wesentlicher Punkt buddhistischer Philosophie und Praxis seit 2500 Jahren. Einfach ein „nicht“ vor Ich zu schreiben oder zu denken, das hilft nicht. Deshalb ist die Antwort im Buddhismus auch hier keine theoretische. Und genau darum gibt es vielfältige Meditationspraktiken. Das einzige, was ich hier aus eigener Erfahrung zu behaupten wage: Wer es ausprobiert und zehn oder zwanzig Jahre durchhält, der entdeckt über das vermeintliche „Ich“ Erstaunliches. Diese Wahrheit lässt sich zwar auch irgendwie umschreiben. Doch das ist hilfreich wie eine Umschreibung des Geschmacks von Erdbeeren oder des Gefühls, verliebt zu sein. Das Nicht-Finden ist nicht durch einen Begriff festzuhalten, und die Leere ist auch kein Gefühl, zu schweigen von einem Etwas. Ja, sie ist nicht einmal ein Nichts. (Ich weiß, so ausgesprochen ist es außerordentlich verwirrend oder klingt wie blanker Unsinn.)


Man kann hier durchaus auch ergänzend rational argumentieren. „Leer“ heißt, keiner Täuschung zu unterliegen (für mich z.B.: Nicht auf die Täuschungen der ökonomischen Modelle hereinzufallen). Solche Täuschungen lassen sich schrittweise reinigen. Nāgārjuna ist der für mich hier vorbildliche Philosoph, dem ich in einigen Texten (vgl. z.B. hier) systematisch nachgegangen bin. Ich bitte aber um Verständnis: Wenn eine Patent-Antwort ohne buddhistische Meditationspraxis in einem kleinen Artikel hier möglich wäre – ich würde sofort versuchen, sie zu formulieren.
 

„Streit der Ökonomen“

 

Doch nun komme ich zum eigentlichen Hintergrund, der uns ebenso verbindet wie trennt. Sicher, ich habe Ökonomie jahrelang studiert, 30 Jahre gelehrt, wohl an die 200 Aufsätze und ein Dutzend Bücher dazu publiziert. Doch hier (in „Buddhismus aktuell“) poche ich gerade nicht auf so etwas wie Expertenwissen. Im Gegenteil. Das ganze Getue meiner Zunft dient nur dazu, eine simple Wahrheit zu verbergen: Sie weiß verdammt wenig, auch wenn sie ihre Blamagen immer wortreich zu verbergen vermag. In dem wohl rasch hingeschriebenen Name-Dropping an Teildisziplinen der Ökonomik, die Sie an das Ende Ihres Briefes setzen, fehlen die wichtigste: Geldtheorie. Was die meisten Ökonomen über Geld sagen und wissen, ist … wie soll ich das jetzt höflich sagen: „Viel zu wenig“? (Darum habe ich darüber ein 1200-Seiten-Buch geschrieben; doch das nur nebenbei.) Warum ist das so schwer? Weil sich am Geld etwas Seltsames offenbart, ein Herzstück buddhistischer Welterkenntnis: Eine kollektive Illusion wird täglich zur Wirtschaftswirklichkeit, bis sie – immer mal wieder – platzt. Das heißt dann Krise. Ich weiß, das ist, so gesagt, für die Ohren eines Experten – viel zu simpel. Suzuki Shunryū sagte einmal: Im Geist eines Laien gibt es viele, im Geist eines Experten nur sehr wenige Möglichkeiten. In Europa kennt man die Déformation professionnelle. An dieser Krankheit leidet vor allem meine eigene Zunft: die Ökonomik. Beim Geld lässt sich das bis in kleinste Details zeigen. Es haben sich in der Dogmengeschichte nur sehr wenige andere diesem Gedanken „Geld als Illusion“ genähert. Doch nach dem Gegenteil gefragt und Hand aufs Herz: Welche Geld- und Finanzkrise haben Transaktionskostenmodelle, die Quantitätstheorie, die Theorie rationaler Erwartungen oder ähnliche Modelle je empirisch erklärt? Ich kann das hier nicht vertiefen; wenn Sie (oder die Leser) mögen, so finden sie auf meiner Homepage viele kostenlose Artikel dazu – garantiert weit unter 1200 Seiten wie in meinem Geld-Wälzer. Wer mag, kann sich vorab in einem Video kurz informieren, das einmal für die Sendung von Gerd Scobel gedreht wurde.
 

„Er hat Adam Smith nicht verstanden“


Zuletzt ein kritischer Punkt, weil doch „leicht“ polemisch. Sie schreiben mit gar nicht so sehr subtiler Kritik, der Autor hätte nicht verstanden, was Adam Smith herausgefunden habe: Der Wettbewerb vieler Egoisten führe zu einem aus sich stabilen Gleichgewicht, Markt genannt, und dieser Leuchtstern der Wissenschaft sei in der Politik auch brav zu hofieren („Ich sage nur Markt, Markt und nochmals Markt!“ – Hans-Werner Sinn). Leider sind fast alle Modellprognosen (wirklich „alle“ wäre ein stochastisches Wunder) Fehlprognosen gewesen. Sie kennen sicher, länger am Ifo tätig als ich (ich bin nach zwei Jahren fluchtartig gegangen), all die Fehlprognosen der letzten Jahrzehnte, die bei jedem Institut irgendwo im Keller einstauben. Die Ökonomik tut so, als wäre sie eine naturalistische Wissenschaft. Sie ist aber nur eine Glaubenslehre geblieben – in all den schönen Teilgebieten, die Sie offenbar nicht ohne den Stolz des wissenden Ökonomen am Ende Ihres Briefes anführen. Ja, es gibt zahllose Modelle, auch der Wohlfahrtsökonomik (Sie sagen: „gesellschaftlicher Nutzen“; denken Sie auch an Indikatoren wie das „Bruttonationalglück“ aus Buthan?). Doch es gibt auch ganze Bibliotheken an Widerlegungen, wenigstens gravierende Modifikationen bis zum Gegenteil der ursprünglichen Smith-Pointe einer invisible hand des Marktes dazu. Zugegeben, ich habe in der Zeit, als ich im Zirkus der referierten Journale noch mitgespielt habe, dazu auch ein wenig beigetragen, was für die Leser dieser Zeitschrift wohl kaum von Interesse ist. Meine Einsicht: Weder Krisen noch kreative Prozesse (so etwas gibt es in der realen Wirtschaft alltäglich) können aber durch all diese schönen, bis zu den von den Nobelpreis-Ökonomen Debreu, Arrow, Hahn usw. mathematisch verbesserten Modellen erklärt, prognostiziert, ja überhaupt erkannt werden.

Ökonomik ist eine „implizite Ethik“ geblieben. Die Ökonomen reden überall mit, wie etwas zu gestalten sei, stecken alle Fehlprognosen lässig weg (muss ich wirklich an die vielen Fehlprognosen erinnern, nehmen wir einmal nur die Ihres früheren „Chefs“ Hans-Werner Sinn: Bazar-Ökonomie? Mindestlohn? Crash des Euro? Grünes Paradox? etc. – ich erspare es den Lesern von „Buddhismus aktuell“, diese schon bei ihrer Verkündigung als reichlich unsinnig erkennbaren Aussagen näher zu erläutern). Ökonomen machen nach ihren gescheiterten Prognosen einfach … weiter. (Wo bleiben z.B. die 4 Mio. Arbeitslosen, die Sinn durch die Einführung des Mindestlohnes prognostiziert hatte?). Stets im Gestus des: „wir wissen es“. In Talk-Shows fragt danach – devot Ökonomen-gläubig – ohnehin niemand. Es sind natürlich weltweit Millionen „Fachleute“ in diversen Instituten und Organisationen, bei Ministerien und Hochschulen, die unangefochten weitermachen. Ich habe mich einmal sehr unbeliebt gemacht mit einem höchst liberal-marktkonformen Vorschlag: „Ökonomen fordern immer mehr Markt. Machen wir einfach die Finanzierung von Instituten oder Lehrstühlen, die prognostisch hervortreten wollen, erfolgsabhängig. Fehlprognose außerhalb der üblichen 5-Prozent-Irrtumswahr­scheinlichkeit – kein Geld.“ Ahnen Sie, wie liebe Kollegen und Kolleginnen auf diesen Vorschlag zu „mehr Markt“ reagiert haben?

 

 

Was wissen die meisten Ökonomen über Geld? Viel zu wenig! | © Russ Allison Loar

 

„Keine Markt-Götter"


Mein Rat deshalb an alle Nichtexperten: Höflich zuhören, aber nicht befolgen. Eigentlich sagen sie immer nur: Alles löst der Markt mit gelegentlich staatlicher Nachhilfe („Rahmenbedingungen“). Aber den Markt selbst zu bezweifeln – das ist Gotteslästerung. Ich rede nicht von „Sozialismus“ als Alternative. Buddhismus ist nur schlicht eine nichttheistische Lehre – auch in dieser Frage, die auch nicht an den Markt-Gott glaubt. Ich rede von einer ethischen Handlungsweise, die ihre moralischen Implikationen an den Anfang stellt, nicht hinter Mathematik und einem Zahlenfriedhof versteckt, der stolz als „empirisch“ daherkommt, aber im nächsten Quartal sich dann doch wieder als Fehlgriff herausstellt (oder im nächsten Land, für die nächste Firma usw.).

„Gegenseitige Abhängigkeit“


Sie suggerieren am Ende, die mathematische Darstellung von Interdependenzen in ökonomischen Modellen sei das, was die Buddhisten mit pratītyasamutpāda (gegenseitige Abhängigkeit, Verschränkung) meinen. Nein, hier irren Sie sich wirklich grundlegend. Die gegenseitige Abhängigkeit ist eine kategoriale. So, wie z.B. Mutter und Kind zirkulär logisch und sozial abhängig sind. Das kann man nicht mathematisch als: „Mutter = Funktion(Kind)“, auch nicht: „Kind = Funktion(Mutter)“ darstellen, differenzieren und in einem Totalmodell zusammenfügen. (Woran Sie vielleicht denken.) Das sind sich gegenseitig qualitativ bedingende Kategorien, die für sich selbst leer bleiben: „Mutter“ ohne Kind ist ein sinnloser, leerer Begriff; ebenso umgekehrt „Kind“. Deshalb ist nach Nāgārjuna pratītyasamutpāda und Leerheit, śūnyatā, auch dasselbe. In den Wissenschaften (außer in der Quantenmechanik, die wurde eines Besseren belehrt und kennt die universelle Verschränkung) geht man immer von elementaren, mit sich identischen Entitäten aus, die man dann nachträglich funktional verknüpft. In der Ökonomik sind es Haushalte, Unternehmen, Staat, Zentralbank, Umwelt usw. Das ist eine funktionale Abhängigkeit, nicht aber jene Verschränkung, von der im Buddhismus die Rede ist. Ich will es nur am „Geldwert“ skizzieren (bei Interesse erläutert hier und hier): Geld hat einen Wert, weil die Vielen daran glauben und dem Wert so handelnd (performativ) vertrauen. Sie glauben umgekehrt, dass das Geld von sich her einen Wert hat, weshalb sie ihm vertrauen. Sie bringen hervor, was sie als Illusion glauben, weshalb es „wirklich“ wird. (Vgl. das Thomas-Theorem: „If you define a situation as real, it will be real by its consequences.“) Diese zirkuläre Verschränkung ist keine „Wechselwirkung“, kein feedback, sondern eine holistische Struktur, die ganz besteht (für eine Weile) oder ganz zusammenbricht (bei Krisen, Börsen- oder Immobilien-Crashs usw.)


Die Erkenntnis der Verschränkung legt für die ethische Konsequenz daraus die Priorität deshalb völlig auf das Mitgefühl. Einem „Marktmechanismus“ zu vertrauen, ihn nur durch „Rahmenbedingungen“ zügeln zu wollen (wie in der Mainstream-Ökonomik), das hat ja offenbar wunderbar an den Finanzmärkten, in der Klimapolitik, bei der Verteilung geklappt – oder etwa nicht? Ich will nicht zynisch sein – rate aber allen: Vertraut zuerst eurem Mitgefühl. Mitgefühl und Markt gehen nur sehr bedingt zusammen, weil „Markt“ immer heißt: „Ich akzeptiere den Egoismus als Naturbedingung und hoffe, der Wettbewerb zügelt ihn.“ Oder auch nicht. In ihrer Aufzählung von Teildisziplinen der Ökonomik haben Sie gar nicht die Modedisziplin der Ökonomik schlechthin erwähnt: Verhaltenstheorie – mit einem Namen: „Ernst Fehr“. Er setzt nicht mehr den homo oeconomicus dogmatisch voraus, wohl aber den Geldverkehr als Normalität. Die Studierenden in seinen Experimenten sitzen an Computern fremd einander gegenüber und dürfen auf keinen Fall miteinander reden, nur in Geld handeln. Jeder Verstoß wird mit Rauswurf geahndet. Der eigentliche Witz steckt damit schon im vorausgesetzten Ökonomen-Dogma: Alles hat über Geld und Märkte abzulaufen (übrigens auch unser Umgang mit der Natur; Stichwort „Zertifikate“, ungeachtet der mehrfach zusammengebrochenen Märkte dafür). Ich plädiere dagegen für das, was Fehr in seinen Experimenten ausdrücklich verbietet, was weder bei Debreu noch im Samuelson-Lehrbuch vorkommt: Achtsamkeit aufeinander und auf die Natur, mitfühlendes Gespräch und Verständigung, möglichst ohne Markt und Geld.
 

Lieber Herr Osterkamp, ich danke für Ihre anregenden Fragen und verbleibe mit besten Wünschen – Ihr Karl-Heinz Brodbeck

 

"Vertraut zuerst euerm Mitgefühl" | © Marij Beach

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Prof. Dr. Karl-Heinz Brodbeck

Karl-Heinz Brodbeck, Prof. Dr., ist Dharma-Praktizierender seit 35 Jahren; Mitglied des wissenschaftlichen Beirats im Tibethaus Frankfurt. Bis 2014 war er Professor für Volkswirtschaftslehre, Statistik und Kreativitätstechniken an der Fachhochschule für Angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt und an der Hochschule für Politik an der Universität München. Er ist Autor zahlreicher Bücher.
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