Erleuchtung ist Intimität mit allen Dingen

Als Zen-Lehrerin und Mediatorin übt Diane Musho Hamilton die Kommunikation zwischen männlichen und weiblichen Qualitäten in sich und in ihrem Lebens- wie Arbeitsfeld. Während des Celebrate Life Festivals 2014 zum Thema Beziehungen führte Marietta Schürholz mit ihr ein Gespräch, das zwischen den Polen mäandert.

© Pasquale Vitiello

Ein Interview mit Diane Musho Hamilton geführt von Marietta Schürholz veröffentlicht in der Ausgabe 2015/3 unter der Rubrik Gespräche

Marietta Schürholz: Die Anziehung zwischen den Geschlechtern ist ein Treibstoff, der in unserer Kultur extrem inszeniert wird. „To be sexy“ gehört zum populären Wertekanon. Der tibetische Lehrer Tsoknyi Rinpoche verwendet dagegen den Begriff „inner sexy“. Was meinst du, worum es ihm dabei gehen könnte?

Diane Hamilton: Gemeinhin geht es bei „sexy“ um Anziehung. In einem eingeschränkten Sinn, darum, wie man gekleidet ist, wie man sich verhält, wie es gelingt, einen potenziellen Partner auf sich aufmerksam zu machen. Das, wovon Tsoknyi spricht, verbinde ich mehr mit Energie, mit dem eigenen Innenleben und mit der eigenen Erfahrung. Die Motivation scheint hier eine andere. Es geht mehr darum, dich mit der Energie zu verbinden, die dir das Leben gegeben hat. Dein Vater und deine Mutter sind in einer sexuellen Vereinigung zusammengekommen und durch sie ist neues Leben geboren worden. Leben ist „sexiness“; Eros ist die eigentliche Kraft, die uns Leben gibt.

 

MS: „Inner sexy“ wäre dann zum Beispiel eine Bewegung in mir, eine Art höherer Magnetismus oder Energiefluss. Als Frau empfinde ich dies manchmal, wenn ich ein Ziel habe, Ausrichtung gewinne und mit Entschiedenheit in eine Richtung gehe. Wie können meine männlichen Qualitäten in eine Polarität mit meinen weiblichen kommen?

DH: Die Fähigkeit, mit dem Grund meines Hierseins verbunden zu sein, zu manifestieren, was ich manifestieren möchte, ist zugleich mit einer rezeptiven Entspannung verbunden. Es ist, als polierte eine tiefe Empfänglichkeit unseren Grund. Diese Verbindung mit einer tiefen Rezeptivität ist aus meiner Sicht sehr wichtig. Wenn ich das nicht tue, bin ich nur ein Zinnsoldat, der seine Pflicht in der Welt erfüllt. Mein Strahlen als Frau wird dann zu einem gewissen Grad verdeckt sein. Das heißt nicht, dass sich jede Frau so entscheiden muss. Aber für mich ist es ganz entscheidend, mich mit der Schönheit und dem Strahlen dieser Energie von tiefer Entspannung und Empfänglichkeit zu verbinden. Auch meine Arbeit wird dann hiervon durchdrungen. Große Musiker sollten Noten perfekt spielen, aber sie müssen mindestens so gut hören können. Wenn du den Ton nicht empfangen kannst, dann hast du nichts zu geben. Dieses Geben und Empfangen gilt für alle Beziehungen, für Gespräche und für meine Beziehung zu mir selbst. Wie empfange ich Leben und wie bringe ich es hervor? Jetzt wird etwas im Innern so anziehend, dass du ihm Aufmerksamkeit schenken möchtest. Und wenn du wach bist und von deinem eigenen Leben berührt, spüren das auch andere Menschen; du strengst dich nicht mehr an, im sexuellen Sinne anziehend zu sein. Das Leben ist spannend und erregend!

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Diane Musho Hamilton

Diane Musho Hamilton ist Zen-Lehrerin in der White-Plum-Linie, Autorin und seit mehr als 30 Jahren professionelle Mediatorin. In Utah hat sie gemeinsam mit ihrem Mann Michael Mugaku Zimmerman 2008 das Zen-Zentrum Two Arrows gegründet. Seit 2012 bietet sie Ausbildungen zum „integralen Facilitator“ an. Sie ist Autorin von Everything is Workable: A Zen Approach to Conflict Resolution.
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