Die Arbeit der Ethik-AG

Buddhistische Gemeinschaften befinden sich weltweit und auch in Deutschland in einem intensiver werdenden Austausch über die Frage, was ethisch angemessenes und unangemessenes Verhalten auf den verschiedenen Ebenen buddhistischen Zusammenlebens ausmacht. Dabei werden auch mögliche Richtlinien diskutiert, die die Beziehungen zwischen Lehrenden und Lernenden und innerhalb von Gemeinschaften verlässlich regeln könnten. Ein aktueller Bericht von Susanne Billig.

Ein Beitrag von Susanne Billig veröffentlicht in der Ausgabe 2019/2 Freundschaft unter der Rubrik Aktuell

Während sich einige buddhistische Zentren und Gemeinschaften bereits Regeln gegeben haben, debattieren andere noch darüber. Das Thema spiegelt sich auch in der Deutschen Buddhistischen Union wider, die auf ihrer letzten Mitgliederversammlung eine Ethik-Arbeitsgruppe eingesetzt hat – erneut, denn es gab Jahre zuvor schon eine Ethik-AG, deren Arbeit leider wenig Widerhall fand.

 

Die neue Ethik-AG wurde damit beauftragt, zum einen Ansprechpersonen für Missbrauchsfälle zu finden und zum zweiten der DBU Entwürfe und Ideen für einen möglichen Ethikkodex vorzulegen, der – in einer noch zu findenden Weise – für DBU-Mitgliedsgemeinschaften maßgeblich sein kann. Schwierig ist diese Arbeit, weil buddhistische Gemeinschaften teilweise weit auseinanderliegen in ihren Auffassungen von dem, was sie als ethisch angemessen erachten und was nicht.

 

Ansprechpersonen bieten geschützten Raum

Seit November 2018 gibt es mit Irmi Jeuther aus Berlin und Dorothea Nett aus Heidelberg nun tatsächlich zwei Ansprechpersonen. Ihr Gesprächsangebot richtet sich an Menschen, die im buddhistischen Kontext Missbrauch erfahren haben oder sich unsicher sind, wie sie eine Situation, in der sie sich unwohl oder bedrängt fühlen oder gefühlt haben, einschätzen sollen. Die Ansprechpersonen möchten Betroffenen einen geschützten Raum anbieten, in dem sie sich öffnen können, ohne befürchten zu müssen, dass weitere Verletzungen passieren. Es geht dabei nicht um objektive Aufklärung oder Schlichtung zwischen Konfliktparteien, sondern das Gesprächsangebot hat einen parteilich begleitenden und unterstützenden Charakter.

 

Einen DBU-Ethikkodex oder einen Entwurf dafür gibt es bislang nicht, aber die Ethik-AG, der Rat der DBU und die Mitgliederversammlungen sind mit dem Thema befasst. BUDDHISMUS aktuell wird fortlaufend darüber berichten.

 


Irmi Jeuter

Irmi Jeuther, Berlin, ist Dharmalehrerin und Diplompsychologin. Sie hat unter anderem sieben Jahre lang als Beraterin und Therapeutin im Frauennotruf gegen sexualisierte Gewalt an Frauen und Mädchen in Heidelberg gearbeitet. Seit 2001 ist sie freiberuflich tätig als Coach, Kommunikationstrainerin und Mediatorin und verfügt über Aus- und Weiterbildungen in den Bereichen personenzentrierte Gesprächspsychotherapie, Personal- und Organisationsentwicklung, Coactive Coaching, Mediation in Organisationen und Institutionen und MBSR-Training (Stressbewältigung durch Achtsamkeit). Seit 2011 ist sie Dharmalehrerin im Bodhicharya Berlin.

Kontakt: Irmi Jeuther, jeuther(at)lotus-consult(dot)de,Tel. 0179-114 09 31

 

 

Dorothea Nett

Dorothea Nett, Heidelberg, ist Dharmalehrerin und Diplompsychologin. Sie hat Ausbildungen in Klientzentrierter Gesprächspsychotherapie nach Carl Rogers und in Hakomi, einer tiefenpsychologisch fundierten Körperpsychotherapie mit buddhistischem Hintergrund. Seit 1982 praktiziert sie tibetischen Buddhismus in der Karma-Kagyü- und der Shangpa-Tradition, einer der kleinen Kagyü-Schulen, deren Übertragung vor allem auf erleuchtete Frauen – sogenannte Weisheitsdakinis – zurückgeht. Sie ist Geschäftsführerin des tibetisch-buddhistischen Meditationszentrums der Karma Kagyü Gemeinschaft in Heidelberg und nahm von 1991 bis 1995 an einem Drei-Jahres-Retreat teil. Seit 1982 arbeitet sie in Heidelberg als Psychotherapeutin. Da sich wiederholt Frauen an sie wandten, die sexualisierte Gewalt erlebt hatten, erwarb sie mehrere Zusatzausbildungen in Traumatherapie.

Kontakt: Dorothea Nett, dorothea.nett(at)web(dot)de, Tel. 06221-47 16 64

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Susanne Billig

Susanne Billig ist Biologin, Buchautorin, Rundfunkjournalistin (Wissenschaft, Gesellschaft) und Sachbuchkritikerin. Sie ist seit 1988 in Praxis und Theorie mit Buddhismus und interreligiösem Dialog befasst, Kuratoriumsmitglied der Buddhistischen Akademie Berlin-Brandenburg und Chefredakteurin von BUDDHISMUS aktuell.
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