Kongress: „Buddhistische Ökologie – zum Wohle aller“

Vom 12. bis 14. Oktober 2018 lädt die Deutsche Buddhistische Union (DBU) zu einem Umweltkongress nach Hamburg-Wilhelmsburg ein. Ein Überblick von Felix Baritsch, Mitglied im Rat der DBU und verantwortlich für die inhaltliche Ausrichtung und Konzeption des Kongresses.

Ein Beitrag von Felix Baritsch veröffentlicht in der Ausgabe 2018/3 lebendig unter der Rubrik SCHWERPUNKT Lebendig


Der Kongress „Buddhistische Ökologie – zum Wohle aller“ möchte Buddhistinnen und Buddhisten zu mehr ökologischem Bewusstsein und Engagement und gleichzeitig ökologisch bewusste Menschen zu einer inneren Praxis ermutigen. Auch Ehrengäste aus Politik, Kultur und anderen Religionen sind eingeladen. Weiter findet sich ein Überblick über die eingeladenen Referentinnen und Referenten. Hier soll es zunächst um die drei inhaltlichen Schwerpunkte des Umweltkongresses gehen.

Der Grund – die Quellenlage

 

Im ersten Schwerpunkt wird es um die buddhistischen Urtexte zum Thema Ökologie gehen. Leitfragen dabei sind: Was hat Buddha Relevantes für das Thema Natur und Ökologie gelehrt? Welche seiner historischen Aussagen können heute im Rahmen ökologischer Überlegungen direkt übernommen werden und welche müssen für unsere Zeit neu gedeutet werden? Inwiefern bedingen die vom Buddha diagnostizierten Gifte Gier, Hass und ein falsches Verständnis der Wirklichkeit das mit der ökologischen Krise verbundene Leid? 

 

Der Pfad – die Anwendung

 

Der zentrale Teil des Kongresses wird sich damit beschäftigen, wie sich die buddhistischen Lehren auf die heutige ökologische Krise, die auch eine Wirtschafts-, Kultur- und Wertekrise ist, neu und programmatisch stimmig im Geiste Buddhas formulieren und anwenden lassen. Stichworte sind hier: Achtsamkeit im Konsum, Metta-Praxis für die Umwelt oder auch die direkte Wirkung, beispielsweise eines Zen-Sesshin, auf die Umwelt. 

 

Ebenfalls auf dem Programm steht die Erarbeitung einer „Buddhistischen Umwelt-Charta“ – einer Erklärung, die die wichtigsten Prinzipien, Sichtweisen und Lösungsansätze des Buddha in Bezug auf die ökologische Krise sowie Handlungsanweisungen enthalten soll. In der Charta sollen der besondere Beitrag und die Sicht des Buddhismus zur ökologischen Thematik aufgezeigt werden. Stichworte sind hier: engagierter Buddhismus, Tiefenökologie, Gehirn- und Meditationsforschung, Biokybernetik und abhängiges Entstehen, Tiefenpsychologie, Forschungen zu Quanten- und morphogenetischen Feldern, die Philosophie des Geistes und ökologisch zukunftsweisende Sichtweisen auf die gemeinsame Natur von Geist und Materie. Die Charta wird im Vorfeld von Expertinnen und Experten unter Mitwirkung anderer interessierter und engagierter Personen erstellt, dann auf dem Kongress diskutiert und schließlich verabschiedet werden. Wer möchte, kann sich an ihrem Entwurf bis Ende Juli beteiligen (Kontakt: baritsch(at)dbu-brg(dot)org). Anschließend sind alle buddhistischen Gruppen in Deutschland eingeladen, vor und auf dem Kongress durch ihre Delegierten das Ihrige zur Charta beizutragen und über sie abzustimmen.

 

 

Die Frucht – Fazit und Ausblick

 

Im dritten Schwerpunkt soll gezeigt werden, dass Ökologie und Erwachen, Welt-Engagement und spirituelle Früchte keine getrennten Themenbereiche sein müssen, sondern miteinander verbunden und verflochten sein können. Auf dem Kongress werden internationale Projekte vorgestellt, die zeigen, wie die Synthese buddhistischer Praxis und ökologischen Engagements gelingen kann: Ökologie als spirituelle Praxis im Theravada, im Zen und im tibetischen Mahayana. Seine Heiligkeit der 12. Gyalwang Drukpa, Oberhaupt des Drukpa-Kagyu-Ordens und der Wohltätigkeitsorganisation „Live to Love“ spricht ebenfalls zur Synthese von Ökologie und spiritueller Praxis und wird eine Abschlusszeremonie leiten.

 

In allen Themenblöcken werden Vorträge aus der Theravada-, Mahayana- und Zen-Tradition sowie jeweils eine Podiumsdiskussion mit kontroversen Thesen und einem offenen Dialog mit den Kongressteilnehmerinnen und -teilnehmern angeboten. In den vertiefenden Workshops können sich alle aktiv einbringen, sich an der Erarbeitung der „Buddhistischen Umwelt-Charta“ beteiligen, das durchgehende Meditationsprogramm besuchen oder sich interessante buddhistische Filme im Kinoraum ansehen. Im Foyer wird es zudem viele Stände und Raum für Kontakte und Gespräche geben.

 

Am Sonntag wird die „Buddhistische Umwelt-Charta“ zeremoniell verabschiedet, allen Teilnehmenden ein persönliches Exemplar überreicht und auf Wunsch ein Segen gegeben.

 

 

Kontakt und Informationen

Webseite des Umweltkongresses: www.zum-wohle-aller-wesen-2018.de/

Kontakt zum Vorbereitungsteam: baritsch(at)dbu-brg(dot)org 


DBU-Umweltkongress: Themen und Gäste

  • Prof. Dr. David Loy ist Lehrer der japanischen Sanbo-Zen-Tradition und Professor für Philosophie und Buddhismus in Hawaii und Singapur. Er widmet sich dem Dialog zwischen Buddhismus und der modernen Welt und ist als Autor zu vielen Themen des Buddhismus in Bezug auf dessen heutige Herausforderungen und dessen Verantwortung bekannt [s. BUDDHISMUS aktuell 2/2016, S. 25 „Erwachen im Zeitalter des Klimawandels“].
  • Prof. Georgious Halkias lehrt Buddhismus und vergleichende Philosophie in Oxford, Hawaii, Bochum, London und Hongkong. Vor einigen Jahren hat er dort an der Universität das Modul „Buddhistische Ökologie“ entworfen und unterrichtet. 
  • Dr. Stefanie Baasch ist Umweltpsychologin aus Hamburg; sie evaluiert Umweltprojekte und praktiziert in der Soka-Gakkai-Tradition.
  • Gabi Bott ist Mitverantwortliche des Projekts Sieben Linden und praktiziert und unterrichtet Tiefenökologie nach Joanna Macy, die viele Bücher über Dharma, Ökologie und Natur veröffentlicht hat und eine (Video-)Botschaft senden wird.
  • Nicole Baden ist Zen-Ordinierte und Ratsmitglied der DBU. Sie präsentiert das Crestone Mountain Zen Center, das sich konsequent in Richtung Klimaneutralität und nachhaltige Lebenskonzepte durch Achtsamkeit und Zen entwickelt.
  • Guhyapati ist Gründer des Ökodharma-Zentrums in Katalonien/Spanien. Er erläutert seine praxisorientierte Synthese aus Ökologie und Buddhismus, zeigt wie Öko-Aktivisten und praktizierende Buddhistinnen und Buddhisten sich ergänzen und voneinander lernen können und warum radikale Ökologie und engagierter Buddhismus zwei Seiten derselben Medaille sind. 
  • Prof. Dr. Marcel Hunecke ist Professor für Allgemeine, Organisations- und Umweltpsychologie an der Fachhochschule Dortmund. Er praktiziert Achtsamkeit und forscht zur Psychologie der Nachhaltigkeit.

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Felix Baritsch

Felix Baritsch – Heilpraktiker, Philosoph, Dolmetscher, Musiker, Moderator und Autor – ist Mitglied im Rat der Deutschen Buddhistischen Union, außerdem Mitglied der Buddhistischen Gemeinschaft in der DBU (BG) und der DBU-Mitgliedsgemeinschaft Tibetisches Zentrum Hamburg.
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