Freiheit, Befreiung. Zitate und Reflexionen.

Freiheit und Befreiung – das Thema hat viele Horizonte und es gibt darauf viele buddhistische Perspektiven. Einige davon kommen in diesem Beitrag zu Wort. Die Fotografien zeigen unsere Erde, aufgenommen von der internationalen Raumstation ISS aus einer Höhe von rund 400 Kilometern.

© Sally Ride Science, www.nasa.gov

Ein Beitrag von Redaktion BUDDHISMUS aktuell veröffentlicht in der Ausgabe 2018/02 Freiheit unter der Rubrik SCHWERPUNKT Freiheit

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Shakyamuni Buddha 

Es gibt ein Ungeborenes, Ungewordenes, Ungemachtes, Unbedingtes. Gäbe es dieses Ungeborene, Ungewordene, Ungemachte, Unbedingte nicht, so wäre hier kein Entrinnen aus dem Geborenen, Gewordenen, Gemachten, Bedingten erkennbar. Weil es nun aber ein Ungeborenes, Ungewordenes, Ungemachtes, Unbedingtes gibt, deshalb ist hier ein Entrinnen aus dem Geborenen, Gewordenen, Gemachten, Bedingten erkennbar. It 43/Ud 8,3 

 

Wenn befleckte Geisteszustände verschwinden, kann sich nur Freude und Wonne entwickeln, Geistesruhe, Achtsamkeit und klares Gewahrsein. Und das ist ein glücklicher Zustand. DN 9,40 

 

Hell leuchtend ist dieses Herz, doch befleckt von vorübergehenden Befleckungen. AN 1,49 Hell leuchtend ist dieses Herz, und es ist frei von vorübergehenden Befleckungen. AN 1,50 

 

Nagarjuna 

(ca. 150–250), buddhistischer Philosoph, legte den Grundstein für die Schule des Mittleren Weges 

 

Ist es das Leben, was mich treibt? 

Ob von Dauer oder flüchtig, 

Impulse sind nicht lebendig wie das Leben. 

Wie bin ich am Leben? 

Wenn ich in diesem Körper oder Geist 

Nicht aufzufinden bin, 

Wer ist es dann, der lebt? 

Wenn ich durch Festhalten 

Von Gedanken und Gefühlen überlebe, 

Wie kann ich mich dann entfalten? 

Wer kann leben, 

Ohne festzuhalten oder sich zu entfalten? 

Würde ich kommen und gehen, 

Wie könnte ich frei werden? 

Wenn Festhalten bindet, 

Bin ich, der festhält, so ungebunden, 

Wie die, die nicht festhalten? 

Wie bin ich gefangen? 

Weder Gebundene noch Ungebundene sind frei – 

Würden die Gebundenen befreit, 

Gäbe es Freiheit und Gefangenschaft 

Zur selben Zeit. 

„Ich bin frei! Ich halte nicht mehr fest! 

Die Freiheit ist mein!“ – 

Das stärkste Festhalten 

Ist, so festzuhalten. 

Was hältst du 

Von einer Freiheit, die sich nie ereignet? 

Wie denkst du über 

Ein Leben, das nicht vergeht?*

 

* In der Übertragung von Stephen Batchelor: Nagarjuna, Verse aus der Mitte, eine buddhistische Vision des Lebens, S. 113 f.

 

© Sally Ride Science, www.nasa.gov

Bhavaviveka 

(500–578), Gründer der Svātantrika-Schule 

 

Da Bodhisattvas die Fehler der zyklischen Existenz sehen, bleiben sie nicht hier. Da sie für andere sorgen, bleiben sie nicht im Nirvana. Um die Bedürfnisse anderer zu erfüllen, entscheiden sie sich, im Existenzkreislauf zu bleiben. 

 

Longchenpa 

(1308–1363), Meister der tibetischen Nyingma-Tradition 

 

Es gibt keine Freiheit. Du kannst nicht befreit werden, denn du warst nie gebunden. 

 

 

Tenzin Gyatso

14. Dalai Lama 

 

Wenn wir davon ausgehen, dass Befreiung möglich ist, wie sollen wir sie verstehen? In den Schriften wird Befreiung durch vier Eigenschaften charakterisiert. Die erste Eigenschaft beschreibt sie als die wahre Beendigung der Kontinuität des Leids; die zweite als wahren Frieden, einen Zustand vollkommener Ruhe, in dem die Person vollständige Freiheit von den Verdunkelungen des Geistes erlangt hat; die dritte als vollständig befriedigend, weil man die höchste Zufriedenheit erlangt hat; und die vierte beschreibt sie als endgültiges Heraustreten, wenn man definitiv und endgültig aus dem Kreislauf nicht erleuchteter Existenzen herausgetreten ist. 

 

Jinavaro R. Hopf 

Buddhistischer Lehrer 

 

Nach den Suttanta-Überlieferungen ist Befreiung nicht mehr und nicht weniger als die Aufhebung aller Formen von Verlangen, Ablehnung und Täuschung, die unser Fühlen und Wahrnehmen vorübergehend beflecken. Geschieht dies beispielsweise in einem Zustand der meditativen Versenkung oder durch die Verwirklichung von liebevoller Güte, sprechen wir von Herzensbefreiung. Diese ist jedoch nicht bleibend. Kommt zu diesem Zustand allerdings noch die tiefe Einsicht in die Wirklichkeit der Erscheinungen hinzu, sprechen wir von Weisheitsbefreiung. Beides zusammen realisiert, macht das Herz irreversibel frei von allen Trieben, und das Endziel im Hier und Jetzt ist erreicht. Und dies ist ein überaus glücklicher Zustand, das Nibbana. 

 

 

© Sally Ride Science, www.nasa.gov

Kaikyo Roby 

Soto-Zen-Lehrerin 

 

Das Leben ist ein fortgesetztes Erfahren von relativer Befreiung. Solange wir leben und mit anderen interagieren, werden wir uns niemals vollständig und für immer und ewig von der Erzeugung von Karma und Verblendungen befreien. Das nennt man, am Leben zu sein, Vergänglichkeit in Aktion. In diesem Universum haben wir über gar nichts Kontrolle. Wir spielen planen und Projekte durchführen und Unerwartetes (!) einschätzen. Doch immer geht irgendetwas schief. Wir sollten nicht so verblendet sein, zu glauben, wir könnten uns von Problemen, Gefühlen und Emotionen befreien, die mit unerwarteten oder unerwünschten Vorkommnissen verbunden sind. 

 

Worauf schauen wir, wenn wir verstehen wollen, wie man Befreiung erlangt? 

 

Auf ununterbrochene Praxis, um uns selbst Moment für Moment von der Illusion zu befreien, dass wir versklavt seien oder dass wir Befreiung erlangen müssten. 

 

Befreiung bedeutet, Freiheit innerhalb der Grenzen oder den unbegrenzten Möglichkeiten unserer Existenz zu finden. 

 

Befreiung ist eine alltägliche Erfahrung, eine Schulung ohne Ende. Uns selbst zu befreien von vorgefassten Meinungen und Vorstellungen, die uns an allem anhaften lassen. Leben ist Freiheit, Kommen und Gehen, Karma-Erzeugen und Sitzen, um es wieder und wieder zu bereuen. Schlammige Gewässer für tausend befreite Lotos- blätter. Lebendig nicht tot! 

 

Ringu Tulku Rinpoche 

Tibetischer Lama und Gelehrter 

 

Solange wir in einem samsarischen Zustand gefangen sind, werden wir nie vollständige Befriedigung und Glück erfahren. Samsara ist per Definition Leiden. Es ist ein Zustand des Bewusstseins, charakterisiert durch das Vorhandensein sich verändernder Grade der drei Arten des Leids. Deshalb müssen wir aus diesem (Zustand) herauskommen. Glücklicherweise ist das möglich. 

 

ENDE DER LESEPROBE

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Redaktion BUDDHISMUS aktuell

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