Vom Leben und Sterben

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Ein Beitrag von Bertram Wohak veröffentlicht in der Ausgabe 2016/3 unter der Rubrik Vom Leben und Sterben

Seit fast einem Jahr hilft mir meine tibetisch-buddhistische Praxis und besonders das Lojong-Geistestraining meinen eigenen Weg im Umgang mit einem fortgeschrittenen und inoperablen Pankreastumor zu finden, der im vergangenen Sommer bei mir diagnostiziert wurde. Mein Krankheitsverlauf bringt es mit sich, dass das Thema Sterben und Tod für mich einen ganz besonderen konkreten „Geschmack“ bekommen hat. Wenn man selbst so direkt betroffen ist, ist es nicht ganz einfach, aus dem Wechselbad von Hoffnung und Furcht auszusteigen und eine Haltung von unbedingtem Vertrauen anzunehmen.

Ich finde es sehr wichtig, existentielle Fragen wie schwere Erkrankungen oder auch den absehbaren Tod aus der Verdrängung in unserer Gesellschaft zu holen und zu einem Teil unseres Lebens zu machen, und dies nicht nur für „spirituell“ aktive Menschen. Dies habe ich getan, indem ich mein schon länger geführtes Online-Tagebuch auch über meine Krebserkrankung fortgesetzt und ein Videogespräch mit einem sehr guten Freund über diese Fragen von Leben und Sterben auf YouTube gestellt habe. In beidem gehe ich auch der Frage nach, wieweit mir meine eigene buddhistische Praxis im Umgang mit meiner Krebserkrankung hilft.

Ich würde mich freuen, wenn viele Leserinnen und Leser sich durch meine Erfahrungen und meinen Umgang mit dem Krebs inspiriert und Betroffene sich ermutigt fühlen könnten. Höchstwahrscheinlich werde ich selbst das Erscheinen des Heftes nicht mehr in meinem Körper erleben.

München, den 5. April 2016
Bertram Wohak

Bertram Wohak ist am 17. Mai 2016 gestorben.
www.youtube.com/watch?v=fdc9T5hLGF8
www.bodyways.de/pdfs/tagebuchnotizen.pdf

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Bertram Wohak

Bertram Wohak (gest. 17.5.2016) war viele Jahre in Forschung und Lehre an der Universität sowie für Großunternehmen und Weiterbildungsinstitute tätig. Nach Ausbildungen in struktureller und funktionaler Körpertherapie sowie in körperorien-tierter Traumatherapie war er seit 1999 als Körper-therapeut und Aikidolehrer tätig.
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