Editorial

Ursula Richard, Chefredakteurin

Ein Beitrag von Ursula Richard veröffentlicht in der Ausgabe 2013/4 unter der Rubrik Editorial

Liebe Leserin, lieber Leser

Verbundenheit ist das Leitthema der neuen Ausgabe von Buddhismus aktuell. Verbundenheit, oftmals auch als Abhängiges oder Bedingtes Entstehen bezeichnet, ist einer jener Pfeiler, der von allen buddhistischen Traditionen als tragend verstanden wird; gleichzeitig ist es der Name einer tiefen menschlichen Sehnsucht: Verbundenheit zu erfahren. Zu erfahren, dass es jenseits unseres Getrenntseins, das wir so oft als unsere Wirklichkeit erleben, noch eine andere Ebene gibt, in der alles mit allem verbunden ist.
Verbundenheit wird im Folgenden weniger theoretisch-philosophisch beleuchtet als auf seine lebenspraktischen Konsequenzen hin. Was bedeutet sie zum Beispiel für unseren Umgang mit unseren nächsten Verwandten, den Tieren, oder für unsere Versuche, gemeinschaftliche Lebensformen umzusetzen? Für die Grande Dame der Tiefenökologie, Joanna Macy, stand die Verbundenheit allen Lebens stets im Mittelpunkt ihrer Arbeit, und sie erläutert in einem Gespräch, wie wir sie für uns auf eine Weise erfahrbar machen können, dass daraus ein Verständnis und ein Handeln erwachsen, die uns in der Gegenwart Sorge für die Zukunft tragen lassen.
Verbundenheit wird aber auch da deutlich, wo sie in gewisser Weise sehr in Gefahr zu sein scheint, etwa zurzeit in Myanmar (Burma). Im Interview und im Bericht über die dortige Situation wird deutlich, durch wie viele Faktoren die gegenwärtig schwierige und auch unheilvolle Entwicklung in diesem mehrheitlich buddhistischen Land bedingt ist. Auch wenn die Tatsache besonders schmerzlich ist, dass Hetztiraden und Gewalt hier im Namen des Buddhismus erfolgen, einer Religion, die vielfach noch immer als Synonym für Toleranz und Gewaltfreiheit gilt, ist es wichtig, davor nicht die Augen zu verschließen. Nur dann lassen sich mögliche Ursachen erkennen, aber auch Möglichkeiten, mäßigende, friedensstiftende Kräfte zu unterstützen.
Verbundenheit kommt für mich auch darin zum Ausdruck, dass viele Leserstimmen die Diskussion unterschiedlicher Ansätze zur Inkulturation des Buddhismus in längeren Artikeln oder Leserbriefen sehr begrüßen. Auch in diesem Heft gibt es dazu wieder einige Beiträge.
Im Zeitalter von Globalisierung und Internet ist Verbundenheit aber auch zu einer Tatsache geworden, deren Schattenseiten immer offenkundiger werden. Zu den Schattenseiten des Internets gehören die Möglichkeiten, sehr leicht an Bilder und Materialien zu kommen, deren Urheberschaft ungeklärt ist und die man leicht versucht ist, zu verwenden. In der letzten Ausgabe haben wir leider ein Foto verwendet, das vor Jahren von einem asiatischen Blog heruntergeladen wurde. Dieses Foto diente als Grundlage für eine Illustration, die in der letzten Ausgabe in einem Zusammenhang erschien, in den das Foto bzw. der darauf Abgebildete nicht gehört. Das bedauere ich sehr und möchte mich dafür bei ihm von ganzem Herzen entschuldigen. Dieser Vorfall hat mich sehr viel über Bedingtes Entstehen und Verantwortung gelehrt.
Ich wünsche Ihnen eine inspirierende Lektüre

Ihre Ursula Richard,

Chefredakteurin

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Ursula Richard

Ursula Richard, Chefredakteurin von BUDDHISMUS aktuell, ist seit mehr als zwanzig Jahren auf dem spirituellen Weg. Sie übt Zen und ist vertraut mit buddhistischer Psychologie und Praxis. Sie war langjährige Programmleiterin eines spirituellen Verlags, ist Gründerin der Literaturmanufaktur, einer Autoren- und Verlagsagentur für Spiritualität und Lebenskunst, ist Herausgeberin spiritueller Bücher und Übersetzerin u.a. von Thich Nhat Hanh sowie Verlegerin des Verlags edition steinrich.
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