Burma - Gewalt im Namen des Buddha? Eine Einführung.

„Ist der Buddhismus nicht jene sanfte Religion, die jeden lässt, wie er ist?“, so die rhetorische Frage des Moderators vom ZDF-Auslandsjournal am 3. Juli. In dem Bericht sind Bilder von zerstörten Häusern, Geschäften und Moscheen zu sehen sowie Männer, die mit langen Stöcken auf einen Mann einschlagen. Unter den Schlagenden ist auch ein Mann in Mönchsrobe.

© Petra Kühl

Ein Beitrag von Ursula Richard veröffentlicht in der Ausgabe 2013/4 unter der Rubrik Buddhismus in der Welt

Geplatzte Träume 

Seit Sommer 2012 gibt es immer wieder Berichte und Nachrichten über Gewalt in buddhistischen Ländern gegen muslimische Minderheiten, vor allem aus Burma (Myanmar), gelegentlich auch Sri Lanka. Diese Meldungen zerstören viele gerade im Westen gehegte Illusionen über einen friedvollen, gradlinig verlaufenden Demokratisierungsprozess und eine zunehmende Öffnung des Landes. Seit 2012 ist die Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi Parlamentsabgeordnete. Erst im November 2010 hatte die damalige Militärregierung ihren 15 Jahre währenden Hausarrest aufgehoben. 2015 sollen erstmals freie Parlamentswahlen stattfinden, und viele hoffen, dass Aung San Suu Kyi dann an der Spitze des Landes stehen wird. Mitten hinein in all diese Träume platzen nun Nachrichten über viele Tote, über vertriebene Menschen, zerstörte Häuser, niedergebrannte Wohnviertel und Geschäfte sowie zerstörte Moscheen. Human Rights Watch spricht sogar von „ethnischen Säuberungen“. Besonders verstörend daran ist, dass buddhistische Mönche offensichtlich nicht nur selbst an diesen Gewaltexzessen beteiligt sind, sondern teilweise sogar dazu angestachelt haben. Mindestens ebenso verstörend, zumindest für deutsche Augen und Ohren, sind Parolen wie „Kauft nicht bei Muslimen!“ oder „Lasst nur Buddhisten in eure eigenen Geschäfte!“. 

„Wenn Buddha hasst“ 

Von den westlichen Medien wird all dies gern aufgegriffen, um das im Westen vorherrschende Bild vom Buddhismus als einer friedvollen, toleranten, gewaltfreien Religion zu demontieren. So spricht der Journalist Georg Blume in der ZEIT davon, dass der Westen „sein Bild vom guten Buddhismus“ korrigieren müsse und dass es wohl auch einen „bösen, fremdenfeindlichen, mörderischen Buddhismus“ gebe, dem „die Welt ... ins Auge sehen“ müsse. Die Süddeutsche Zeitung (v. 7. Juni) titelt: „Wenn Buddha hasst“. Und das Cover des Time Magazin vom 1. Juli zeigt das „Gesicht des buddhistischen Terrors“.

Gemeint ist Ashin Wirathu, der mittlerweile sicherlich bekannteste Mönch Burmas, der schon unter der Militärregierung wegen seiner anti-muslimischen Aktivitäten neun Jahre im Gefängnis saß. Durch seine Hasstiraden und Verschwörungstheorien trägt er nicht unwesentlich dazu bei, den Konflikt weiter zu schüren. Medial bestens vernetzt, beschwört er eine drohende Islamisierung des Landes, die für ihn Gewalt seitens der Buddhisten als Gegenwehr legitimiert. 

Gegenstimmen 

Im Dezember 2012 haben sich 18 renommierte buddhistische Persönlichkeiten aller Traditionen, unter ihnen S.H. der Dalai Lama, Thich Nhat Hanh, Bhikkhu Bodhi, Harada Roshi und Dr. A.T. Ariyaratne, in einem offenen Brief an das burmesische Volk gewandt, zum Frieden aufgerufen und die buddhistischen Prinzipien der Gewaltlosigkeit, des Mitgefühls und der Fürsorge beschworen. S.H. der Dalai Lama hat auch in diesem Jahr wiederholt betont, dass Gewalt für Buddhisten kein akzeptables Mittel sei. Ansonsten blieb es – Ursula Baatz hat schon in der letzten BA darauf hingewiesen – doch recht still in westlichen buddhistischen Kreisen. Das hat sicher mancherlei Gründe. Einer davon mag auch mit der Komplexität der Situation zu tun haben. Um diese für unsere Leserinnen und Leser etwas durchschaubarer zu machen, haben wir Thierry Dodin gebeten, die Hintergründe dieses Konflikts näher zu beleuchten und in einen historischen Kontext zu setzen. Das Gespräch mit ihm wurde von Tenzin Peljor geführt und von Monika Deimann-Clemens für Buddhismus aktuell gekürzt und bearbeitet. Petra Kühl, die seit über 15 Jahren in Myanmar lebt, hat uns einen Bericht über die aktuelle Situation geschickt. Darüber hinaus haben wir Websites mit weiteren Informationen zusammengestellt.

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Ursula Richard

Ursula Richard, Chefredakteurin von BUDDHISMUS aktuell, ist seit mehr als zwanzig Jahren auf dem spirituellen Weg. Sie übt Zen und ist vertraut mit buddhistischer Psychologie und Praxis. Sie war langjährige Programmleiterin eines spirituellen Verlags, ist Gründerin der Literaturmanufaktur, einer Autoren- und Verlagsagentur für Spiritualität und Lebenskunst, ist Herausgeberin spiritueller Bücher und Übersetzerin u.a. von Thich Nhat Hanh sowie Verlegerin des Verlags edition steinrich.
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