Ravensbrück-Retreat für Frauen

21.04.2017 / Zum fünften Mal in Folge findet vom 29. Mai bis zum 2. Juni 2017 auf dem Gelände des ehemaligen Frauenkonzentrationslagers Ravensbrück ein Retreat für Frauen statt. In dem folgenden Text erläutern die Veranstalterinnen die Überlegungen, die hinter diesen Retreats stehen, und geben Auskunft über Möglichkeiten der Anmeldung und Teilnahme.

Gedenkstele in Ravensbrück | © Harald Henkel

Kernbestandteil der nationalsozialistischen Ideologie war die Vernichtung „unwerten“ Lebens. Im Lauf der nationalsozialistischen Herrschaft wurde eine Maschinerie der Ausbeutung und Vernichtung von Menschen durch ein Netz von Konzentrationslagern aufgebaut.

In Ravensbrück wurde von den Nazis das größte Frauenkonzentrationslager eingerichtet. Die nach Ravensbrück Deportierten stammten aus über 40 Nationen. Hier wurden Frauen, die politisch aktiv und im Widerstand waren, die als Künstlerinnen, Politikerinnen, Schriftstellerinnen tätig waren, aber auch Jüdinnen, Sinti und Roma interniert.

Die Geschichte der Frauen wird seit der modernen Frauenbewegung der 1960er Jahre erforscht. Frauen haben erkannt, dass sie ihren eigenen Blick auf die Geschichte benötigen und damit einen Blick auf ihre Geschichte.

Wenn wir unserer weiblichen Vorfahren gedenken, machen wir uns damit vertraut, dass wir in einer Linie von Frauen stehen. Wir werden uns unserer Vielfalt bewusst durch die unterschiedlichen Rollenbilder im eigenen Geschlecht. Viele Frauen vor uns haben den Boden bereitet, auf dem wir nun stehen und unser Leben leben.

Ein Teil unserer Geschichte sind die Frauen in Ravensbrück. Die, die ermordet wurden, weil sie Widerstand geleistet haben, Lebensentwürfe hatten, die im Nationalsozialismus als verwerflich angesehen wurden, durch Zufall in die Vernichtungsmaschinerie dieses lebensfeindlichen Systems gerieten oder einer von den Nationalsozialisten als „lebensunwert“ angesehenen Gruppe von Menschen angehörten.

Und auch die Frauen sind Teil unserer Geschichte, die dem System gedient haben, selbst ein Teil des Vernichtungssystems wurden, die sich haben vereinnahmen lassen und aktiv mitgemacht haben. 

 

 

Frauen-Retreat in Ravensbrück, Impression | © Die Veranstalterinnen

Wie wurden ganz normale Menschen zu Mördern?

Der Nationalsozialismus hat viele Wunden hinterlassen, gesellschaftliche und individuelle. Scham, Schuldgefühle, Abwehr, Verharmlosung, Verleugnung, Schuldzuweisungen, Wegschauen wollen sind noch heute die Folgen.

Bei allen Formen der Auseinandersetzung geht es auch immer um den Versuch einer Erklärung, wie es „dazu“ kommen konnte. Wie wurden ganz normale Menschen zu Mördern von hilflosen Frauen, Kindern, Männern? Welche Bedingungen spielten eine Rolle? Ist dieses Böse die Ausnahme, das ganz Andere?

Und was hat das heute mit uns in unserer aktuellen Lebenssituation und mit gesellschaftlichen Entwicklungen zu tun?

Welche Formen des Gedenkens ermutigen uns zu selbstbestimmtem, verantwortlichem, wachem Handeln, individuell und gesellschaftlich?

Wie die Sprachlosigkeit überwinden angesichts der unvorstellbaren Grausamkeiten, die Menschen anderen Menschen angetan haben?

Bei dem Retreat wird es weniger darum gehen, Antworten zu geben, als vielmehr, den Fragen in ihrer Vielschichtigkeit nachzugehen und uns ihnen auszusetzen. Wir werden uns mit dem konfrontieren, was uns Angst macht und was wir sonst wegschieben und verdrängen.

 

Zum Ablauf des Retreats

Das Retreat findet auf dem Gelände des ehemaligen Lagers statt. Der Ablauf und die einzelnen Einheiten sind inspiriert von den Retreats von Sylvia Wetzel und den Auschwitz-Retreats der Zenpeacemaker mit Bernie Glassman.
Wir werden uns in dem 5-Tages-Retreat, das teilweise im Schweigen stattfindet, dem Frauenkonzentrationslager Ravensbrück auf verschiedene Arten nähern.
Es wird täglich Zeiten der Stille und Meditation auf dem Lagergelände geben.
Teilnehmen können alle Frauen, unabhängig von religiösem Hintergrund oder Meditationserfahrung.
Untergebracht sind wir für die Zeit des Retreats in der Jugendherberge Ravensbrück.

 

Weitere Informationen

Wenn Sie sich für dieses Retreat interessieren, dann finden Sie für weitere Informationen auf den Webseiten www.besilly.de und www.katharina-schmidt.com

Fragen bitte an:
Katharina Schmidt: kschmidt611(at)gmx(dot)de oder
Lily Besilly: lily(at)besilly(dot)de

Gedenktafel in Ravensbrück | © Heinz-Eberhard Boden