Die Tibet-Lüge?

09.06.2017 / Der Journalist Oliver Schulz hat im Eichborn Verlag ein neues Buch veröffentlicht mit dem Titel "Die Tibet-Lüge". Darin hält er dem Westen vor, ein allzu romantisierendes und naives Zerrbild von Tibet aufrecht zu erhalten. So gewaltlos und menschenfreundlich, wie es westliche Menschen gerne hätte, sei es in Tibet niemals zugegangen. Im "Deutschlandfunk" sprach Oliver Schulz in einem Interview über sein Buch.

Buddhistischer Mönch in Tibet | © Stephen

Im alten Tibet habe es weder soziale Gerechtigkeit gegeben noch Pazifismus, eine Gleichberechtigung der Geschlechter oder eine ökologisch gesinnte Gesellschaft, erklärte der Journalist Oliver Schulz am 7. Juni in einem Interview im Deutschlandfunk in der Sendung "Tag für Tag". Tatsächlich sei der Zugang zu Tibet ist von vornerein von Missverständnissen geprägt gewesen.

Schon als die Jesuiten im 16. Jahrhundert nach Tibet kamen, habe die Verklärung des Landes begonnen. Die Literaten des 20. Jahrhunderts, die in Tibet so etwas wie ein Paradies auf Erden wähnten, hätten dieses Werk dann fortgesetzt, das mit der Idee eines "Shangri-La" bis in New Age und Esoterik heutiger Tage andauere. 

Die Wahrheit Tibets – Feudalismus, eine drastische Strafgesetzordnung, die Herrschaft einer geistlichen und weltlichen Elite über den Rest des Volkes – sei viel zu wenig gesehen worden. 

Das vollständige Interview, in dem irritierend wenig von der chinesischen Invasion und Unterdrückung des Landes die Rede ist, lässt sich noch einige Wochen im Deutschlandfunk nachlesen und nachhören => unter diesem Link

Literaturhinweis

Oliver Schulz: Die Tibet-Lüge: Von der Macht der Mythen und dem Scheitern des Dalai Lama. Vito von Eichborn. 130 Seiten, 12,95 Euro.


"Die Tibeter müssen sich lösen von diesen alten Klischees. Es gibt ja Leute, die sagen, dieses Klischee vom Shangri-La ist festgefroren. Es hat die tibetische Kultur und die tibetische Gesellschaft festgefroren, sie müssen sich jetzt davon lösen. Wie man so etwas genau macht, kann ich ehrlich gesagt, auch nicht erklären, aber sie sollten vielleicht den Leuten zuhören, die Alternativen aufzeigen." Oliver Schulz